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Studie - Mittelständische Unternehmen werden bei der Geldanlage oft unterschätzt

Dokument: Frankfurt/Main, 10.06.2008 14:17 Uhr (redaktion)

Ungeachtet der Dauerdiskussion über Eigenkapitalknappheit und Kreditklemme hat in der Realität mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen in Deutschland Geldanlagebedarf, so das Ergebnis einer Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld im Auftrag der Commerzbank.

Hierbei handelt es sich nicht nur um kurzfristige Anlagen, vielmehr nennen 25% der Befragten einen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr, 10% sogar von mehr als fünf Jahren.

Bei der Frage nach den Kriterien einer Anlage steht für 38% der Mittelständler die Sicherheit an erster Stelle, gefolgt von der Verzinsung (24%) und der Verfügbarkeit (15%). Interessant ist, dass als Folge der Finanzmarktkrise verstärkt die Funktionsweise der Produkte hinterfragt und einfache, transparente Lösungen bevorzugt werden.

Für ihr angelegtes Geld erwarten Mittelständler eine deutlich überdurchschnittliche Mindestverzinsung von nahezu 6%. Diese hohe Rendite steht im Widerspruch zur geldmarktnahen Anlagestruktur, denn die am häufigsten genannten Anlageinstrumente sind mit 75% Festgeld, mit 56% Sichteinlagen und mit 27% Geldmarktfonds. Dennoch ist die angestrebte Rendite für Mittelständler auch bei ausgeprägter Risikoaversion erreichbar. Notwendig sind jedoch eine stärkere Risikodiversifikation und eine fristenkongruente Anlagepolitik. Hier befinden sich viele Mittelständler auf einem guten Weg, indem sie zu Lasten geldmarktnaher Anlageformen zunehmend weitere Asset-Klassen und Fondsprodukte in ihr Anlagespektrum einbeziehen.

Im Vergleich zu privaten und institutionellen Anlegern bilden Mittelständler eine eigene Kundengruppe mit spezifischen Anlagebedürfnissen.

Deshalb lautet das Fazit der für die Studie verantwortlichen Professoren Kruse und Wittberg: „Der Mittelstand wird bei der Finanzanlage oftmals unterschätzt. Er verfügt nicht nur über beachtliche und längerfristig zur Verfügung stehende Mittel, sondern zeichnet sich auch durch ein diversifiziertes und professionelles Anlageverhalten aus.“ Martin Fischedick, Konzernleiter Corporate Banking der Commerzbank, fühlt sich von dem in der Studie geäußerten Beratungsbedarf bestätigt: „Dass 93% der Mittelständler Beratung in Anlagefragen als wichtig einschätzen, spüren wir im täglichen Umgang mit unseren Kunden. Deshalb haben wir auch deutschlandweit besondere Anlagespezialisten für den Mittelstand im Einsatz.“

Details
Obgleich 46% der vor allem kleineren Unternehmen immer noch keinen Anlagebedarf sehen, wird man damit dem Mittelstand nicht gerecht. Schließlich hatten 54% der befragten Mittelständler im Jahre 2007, begünstigt durch die wirtschaftliche Erholung, einen durchschnittlichen Anlagebe darf von 1,8 Mio. Euro, im Median immerhin noch 1,0 Mio. Euro. Hierbei gilt: Je höher der Umsatz und die Mitarbeiterzahl, desto größer der Anlagebedarf (r=0,293 bzw. 0,439). Das gleiche gilt für die Höhe der durchschnittlich angelegten Investitionssumme pro Transaktion: Sie beträgt im Durchschnitt 324.000 Euro, im Median 200.000 Euro (r=0,324 bzw. 0,35).

Chart: Anlagebedarf
Chart: Anlagebedarf

Gefragt nach der Wichtigkeit einzelner Anforderungen, bewerten Mittelständler hohe Sicherheit der Anlage auf einer Rangskala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) im Durchschnitt mit 1,52, die hohe Verzinsung des eingesetzten Kapitals mit durchschnittlich 1,85 und die schnelle Verfügbarkeit mit 2,01.

Chart: Anforderung an Geldanlage
Chart: Anforderung an Geldanlage

Bezogen auf die Optimierungsmöglichkeiten macht in diesem Zusammenhang das geplante Anlageverhalten der mittelständischen Unternehmen Mut: Hier geht der Trend eindeutig weg von wenig lukrativen Festgeldern/Termineinlagen und Sichteinlagen (jeweils -9 Prozentpunkte) sowie Geldmarktfonds (-3 Prozentpunkte) zu Gunsten eines breiter aufgestellten Finanzanlagevermögens unter Nutzung weiterer Asset Klassen und Verpackungen.

Chart: Bevorzugte Anlageinstrumente
Chart: Bevorzugte Anlageinstrumente

Fazit
Mittelständler sind eine eigene Kundengruppe mit spezifischen Anlagebedürfnissen.

Chart: Anlageschema und Bedürfnisse
Chart: Anlageschema und Bedürfnisse

(Quelle: Studie der FHM "Mittelstand der unterschätzte Anleger" im Auftrag der Commerzbank)
WISSENSCHAFTLICHE LEITUNG:
PROF. DR. OLIVER KRUSE
PROF. DR. VOLKER WITTBERG

 
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