Berlin, 08.06.2011 10:50 Uhr (Gastautor)
Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft sowie die Spekulationen über das Verschuldungproblem Griechenlands zehren momentan an den Nerven der Investoren.
Die Erkenntnis, dass Griechenland unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Kapitalmarktkonditionen und der schwachen Konjunkturentwicklung nächstes Jahr nicht wie vom Hilfsprogramm vorgesehen an den Kapitalmarkt zurückkehren kann, ließen Spekulationen hinsichtlich der weiteren Finanzierung des Landes aufkommen. Derzeit werden verschiedene Lösungen für das Verschuldungsproblem zwischen Griechenland und dem IWF bzw. der EU durchgespielt, darunter auch Varianten der Schuldenrestrukturierung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland kurzfristig weitere Stützungspakete erhält, ist unserer Meinung relativ hoch. Dadurch würde das Land nochmals Zeit haben, um die Situation in den Griff zu bekommen. Allerdings wird mit dem Start des Europäischen Stabilisierungsmechanismus im Juli 2013 das Risiko einer Umschuldung weiter zunehmen. Wir sind der Meinung, dass die Schuldenkrise in der Eurozone weiter ein zentrales Thema bleiben und die Märkte noch lange Zeit beschäftigen wird.
Als ob die Diskussion über die Umschuldung Griechenlands nicht ausreichte, reagierten die Märkte auch sensibler auf enttäuschende Konjunkturdaten. Immer mehr Marktteilnehmer befürchten, dass die Schwäche des US-Bruttoinlandsproduktes (BIP) im ersten Quartal zu einer deutlicheren Konjunkturverlangsamung führen könnte. Diese Angst wurde in den letzten Wochen durch einige Stimmungsindikatoren, die den künftigen Verlauf der Konjunktur signalisieren, bekräftigt. So verzeichnete zuletzt der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe den größten monatlichen Rückgang seit Januar 1984 und deutet für die kommenden Monate eine konjunkturelle Verlangsamung an. Zusätzliche Enttäuschung kam vom US-Arbeitsmarkt, wo ein weiterer Anstieg der Arbeitslosenquote zu verzeichnen war. Insgesamt zeigen die jüngsten Daten eine spürbare Verlangsamung der Konjunkturdynamik. Wir denken freilich, dass es sich dabei um eine vorübergehende Abschwächung handelt. Ein Abgleiten der Weltwirtschaft in eine Rezession schließen wir momentan eher aus.
Deutsche Staatsanleihen konnten zunächst von ihrem Status als „sicherer Hafen“ profitieren, bis anschließend die Nachrichten zur Auszahlung der nächsten Kredittranche an Griechenland sowie die Aussicht auf ein weiteres Hilfspaket für Gewinnmitnahmen sorgten. Kurzfristig sollte die Risikoaversion der Marktteilnehmer weiter anhalten und Anleihen unterstützen. Mittelfristig dürften die Sorge vor einer höheren Inflation – verbunden mit Zinserhöhungserwartungen der Marktteilnehmer – sowie die robuste Konjunktur die Anleihen belasten.
An den europäischen Aktienmärkte kam es in Folge schwächerer Konjunkturdaten sowie der Staatsverschuldungs-problematik in den Peripherieländern zu empfindlichen Kursrücksetzern. Der Dax verlor in der Spitze fast 7,5% bevor sich der Index mit der Einigung auf die Auszahlung der nächsten Hilfskredittranche an Griechenland von seinen Tiefständen befreien konnte. Wir bleiben jedoch mittelfristig für die Aktienmärkte positiv gestimmt. Auch wenn zwischenzeitlich Faktoren wie eine Wachstumsverlangsamung der Wirtschaft, die Verschuldungskrise sowie die Öl- und Rohstoffpreisentwicklung die Stimmung der Markteilnehmer belasten werden, sprechen die immer noch hohe Liquidität am Markt, die weiterhin robuste globale Konjunktur, die ungebrochene Gewinndynamik der Unternehmen sowie die attraktive Bewertung der Aktienmärkte für steigende Aktienkurse. Aus charttechnischer Sicht sollten Anleger beim DAX auf den Widerstandsbereich bei 7.250 – 7.300 Punkten achten. Ein Schlusskurs darüber würde uns positiv stimmen. Dagegen wäre ein Abgleiten unter die Unterstützung bei 6.960 und 6.900 Punkten als negativ zu interpretieren.
Der Euro zeigt gegenüber dem US-Dollar Stärke. Nachdem der Euro infolge der Debatte um die griechischen Staatsfinanzen bis unter die Marke von 1,40 USD gefallen war, hat ihn zuletzt die Einigung zum Hilfspaket Griechenlands über die Marke von 1,46 USD/EUR steigen lassen. Zusätzliche Unterstützung erhielt er von dem Vorschlag Jean-Claude Trichets, ein Europäisches Finanzministerium zu schaffen, welches die Kontrolle über die Finanzen der Euroländer übernehmen soll. Wir sind der Meinung, dass der Euro gegenüber dem USD mittelfristig weiter steigen sollte. Die enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA sowie das Auslaufen von quantitativen Maßnahmen lassen eine Leitzinsanhebung in den USA in weite Ferne rücken. Dagegen wird die EZB weiter an ihrem Leitzinserhöhungskurs festhalten. Dies wird den Euro mittelfristig stützen.
Backround
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(Quelle: Weberbank Actiengesellschaft)
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