FrankfurtMain/München, 23.03.2015 15:30 Uhr (Robert Halver)
Der Preis für einen Austritt ist zwar hoch, aber der Preis eines Verbleibs erhöht sich jeden Tag mehr. Die oberste Direktive der Eurozone ist es, alle Mitgliedsländer zusammenzuhalten. Das ist der in Stein gemeißelte, europäische Polit-Rationalismus.
Daher sollte auch der GREXIT bislang unbedingt vermieden werden, weil sein Preis zu hoch erscheint. Zunächst will man finanzpolitische Folgeschäden vermeiden. In der Tat, niemand kann genau sagen, welche Kollateralschäden nach einem Euro-Austritt Griechenlands passieren. Wie reagieren die Finanzmärkte in der Euro-Peripherie? Steuerzahler müssten auf jeden Fall Kreditabschreibungen im hohen Milliardenbereich in Kauf nehmen. Und wie verhindert man einen dramatischen Verfall der Drachme, der die Exportchancen der anderen südlichen Euro-Staaten massiv bedroht?
Besondere Sorgen bereiten die geopolitischen Konsequenzen. Deren Drohpotenzial ist sich die Regierung Tsipras wohl bewusst: Griechenland ist ein Nato-Land nicht weit weg vom Krisenherd Ukraine. Für Putin wäre es ein gefundenes Fressen, wenn sich Athen nach einem Euro-Austritt Russland zuwenden würde. Die russische Destabilisierung Südost-Europas könnte so weitergehen. Auch könnte Griechenland Zuwanderer aus Afrika und sogar Anhänger des Islamischen Staats - wie bereits angedroht - nach Westeuropa weiterleiten.
Und dennoch, mittlerweile scheint die Festung „Griechenland bleibt in der Eurozone“ brüchiger zu werden. Soll sich die Eurozone erpressen lassen, klein beigeben und neue Hilfskredite nach Athen durchwinken, nur weil die Regierung in ihrer unbeschreiblichen Güte bereit ist, eine neue Reformliste zu erstellen? Wer sagt denn, dass diese Liste das griechische Parlament passiert? Die neue griechische Regierung ist doch mit dem direkten Gegenteil, mit Reformverweigerung, gewählt worden.
Wenn sie jetzt in Griechenland reformiert, wird sie beim nächsten Mal abgewählt. Was dagegen mühelos das Parlament passiert, sind neue Staatsausgaben, die die Schuldenkrise noch vergrößern. Laut IWF ist Griechenland der schwierigste Klient aller Zeiten. Und dieser hatte es schon mit wirklich schwierigen Kandidaten zu tun. Immerhin, nach Bundesfinanzminister Schäuble schließt auch EU-Währungskommissar Moscovici einen GREXIT nicht mehr aus und die EZB rechnet diesen bereits durch. Das massive Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber Griechenland kommt in einer aktuell stark inversen griechischen Zinsstrukturkurve ab Laufzeitbereich drei Jahren zum Ausdruck, die sich von einer normalen Zinsstrukturkurve z.B. per 1. Oktober 2014 dramatisch unterscheidet.
Der Preis für einen Austritt ist zwar hoch, aber der Preis eines Verbleibs erhöht sich jeden Tag mehr. Die Spielchen der Athener Spieltheoretiker führen den Europäischen Stier wie einen Ochsen am Nasenring vor. Regeln werden von den Herren nicht eingehalten, weil sie denken, sie haben nichts zu verlieren und können nur gewinnen. Sie hoffen, die Europäische Reformbewegung, die die Eurozone insgesamt gegenüber den USA, China & Co. wettbewerbsfähig machen soll, von innen wie einen Apfel faulen zu lassen. Warum sollten eigentlich andere Euro-Länder noch ihre Reformhausaufgaben erledigen? Jedes Entgegenkommen an Athen werden sie zu Recht auch für sich einfordern und bei Verweigerung beim Europäischen Gerichtshof in Luxembourg auf Gleichbehandlung klagen.
Die griechische Bevölkerung hat jede Chance verdient. In Abwägung aller Aspekte sollte man Griechenland den Euro-Austritt und gleichzeitig einen Schuldenschnitt gewähren, der so oder erfolgen muss. Mit dieser Unterstützung kann die Regierung an der Verbesserung seines antiken Staats- und Verwaltungswesens arbeiten. Das ist die Bringschuld der Griechen, nicht die der Eurozone. Im Status Quo ist Griechenland nicht annähernd in der Lage, in der Eurozone erfolgreich zu sein. Und zu erwarten, dass die Athener Regierung vom Saulus zum Paulus wird, ist utopisch.
Als Mitglied der EU wird dem Land auch zukünftig Solidarität gewährt. Entscheidend ist aber, dass die griechische Regierung keine Sabotage mehr betreiben, keine Löcher mehr in den Rumpf des Euro-Boots bohren kann.
Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de
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