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Börsenexperte Robert Halver: Droht der Anleihe-Crash?

Dokument: Düsseldorf, 22.11.2016 11:12 Uhr (Robert Halver)

Aufgehellte US-Konjunkturperspektiven mit positiven Ausstrahleffekten auf die Weltwirtschaft, die Gefahr steigender Inflationserwartungen in den USA und der Eurozone sind gemäß geldpolitischem Lehrbuch hinreichende Bedingungen für Zinserhöhungen und Zurückführungen von Anleiheaufkäufen.

Informationen zum Autor:
Halver Robert
Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. Bereits seit 2012 berichtet er auf FMM-Magazin.de über die Geschehnisse an den Börsen. Baader betreut an den Börsenplätzen Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin u.a. den Handel mit Aktien, Anleihen, Derivaten und Fonds.

Tatsächlich sind Anzeichen einer Renditewende bei US-Staatsanleihen nach oben in Ansätzen bereits erkennbar. Da der US-Anleihemarkt historisch eine unbestrittene Leitfunktion hat, sind auch Renditesteigerungen in Deutschland zu beobachten.

Ginge die Umkehrentwicklung bei Renditen weiter, sähen sich die großen Kapitalsammelbecken veranlasst, vorbeugend ihre gewaltigen Anleihebestände zu verkaufen, was die Renditeerhöhungen beschleunigen würde.

Steht also ein Anleihe-Crash, ein Platzen der größten Anlageblase der Welt bevor, die sich seit Anfang der 80er Jahre aufgebaut hat? Im Extremfall droht dem bestehenden Finanzsystem aufgrund der globalen Überschuldung sogar der systemische Kollaps.

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Vor diesem Hintergrund wird die Fed eine wirklich restriktive Zinspolitik nicht durchführen (können). Und auch an den europäischen Finanzmärkten ist die Geldpolitik the last man standing. Konjunkturell hat die EZB ohnehin noch keinen Durchbruch erreicht. Ein Anstieg der Staatsanleiherenditen wäre also im Vergleich zu den USA eine doppelte, eine real- und finanzwirtschaftliche Belastung. Dies zuzulassen wäre geradezu eine Einladung an Euro-feindliche Spekulanten, erneut wie 2011 und 2012 auf steigende Staatsanleiherenditen und damit auf eine Renaissance der nur mühsam eingedämmten Euro-Krise zu wetten. Übermäßige Renditeerhöhungen würden die Bedienung der aus dem Ruder gelaufenen Staatsverschuldung z.B. in Italien erschweren und über dann alternativlose Haushaltskürzungen auch zu großen sozialpolitischen Verwerfungen führen.

Apropos Sozialpolitik, da 2017 in möglicherweise vier bedeutenden Euro-Staaten Nationalwahlen stattfinden, wird die EZB den Renditeanstieg mit einer fortgesetzten Liquiditätsoffensive konsequent bekämpfen. Man kann durchaus von Wählerbeeinflussung sprechen.

Wie reagiert die EZB auf eine Inflationsbeschleunigung?

Unter normalen Umständen müsste die EZB aufgrund ihres von der deutschen Bundesbank geerbten Regelwerks Inflation auch vorbeugend bekämpfen. Normalerweise! Mit Blick auf die europäischen Verschuldungs- und Konjunkturnöte kann sie diesem Anspruch nicht konsequent gerecht werden. Im Bedarfsfall könnte sie eine leichte Zinserhöhung zur Anscheinerweckung von Glaubwürdigkeit durchführen und diese durch Ausweitungen von Anleihekaufprogrammen konjunkturell heilen. Außerdem bestünde die Möglichkeit, eine Ausweitung des Inflationsziels von zwei Prozent auf z.B. vier Prozent vorzunehmen. Dafür würde sie zwar in der Fachpresse massiv kritisiert werden. Doch der Unterstützung der Finanzminister der Eurozone darf sie sich gewiss sein. Inflationsbekämpfung schadet der Illusion stabiler Finanzmärkte. Also wird nicht gekämpft.

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Der Wochenausblick für die KW 47 - Wie fällt die Reaktion von ifo auf Trump aus?

In den USA werden die Anleger das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung genau auf Hinweise zu Zinserhöhungen prüfen.

In der Eurozone bleibt abzuwarten, inwieweit sich in den Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe der Wahlsieg von Donald Trump widerspiegelt. Insbesondere in Deutschland ist man gespannt, ob die ifo Geschäftsklimadaten das bislang positive Konjunkturklima am deutschen Aktienmarkt bestätigen und welche Bedeutung der Trump-Sieg hat.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
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Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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