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Bonds News: Griechenland Anleihe und Wachstumsprognose Großbritannien

Dokument: Frankfurt am Main, 27.07.2017 12:13 Uhr (Klaus Stopp)

Griechenland platziert eine Anleihe über drei Milliarden Euro und möchte in das Aufkaufprogramm der EZB aufgenommen werden. Der Brexit beschert Großbritannien weitere Negativsignale. Der IWF korrigiert die Wachstumsprognose der Insel nach unten.

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Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Nach einer Zwangspause von drei Jahren kehrt Griechenland an den Kapitalmarkt zurück. Erstmals seit April 2014 platziert das Land wieder eine Staatsanleihe - diesmal über ein Volumen von 3 Mrd. Euo und mit einem Kupon von 4 3/8 Prozent bei einer Endfälligkeit am 1.8.2022 (A19MEC). Die Nachfrage belief sich mit 6,5 Mrd. Euro auf mehr als das Doppelte der Emission, die Rendite liegt bei 4,625 Prozent. Darin spiegelt sich dennoch eine gewisse Skepsis wider, denn 2014 wurden bei der bislang letzten Anleihe (Emissionsvolumen und Laufzeit waren identisch) mehr als 20 Mrd. Euro gezeichnet. Die Rendite belief sich damals auf 4,95 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt Griechenland Datenvergleich
Quelle: Statistisches Bundesamt

Diese langersehnte Anleihen-Emission stellt für Athen somit einen wichtigen Test dar. Denn die Kapitalmarktfähigkeit von Griechenland ist die Voraussetzung dafür, dass die EZB griechische Staatstitel in ihr Aufkaufprogramm aufnimmt, woran Athen großes Interesse hat. Ob dies gelingt, hängt davon ab, ob das Land die Tragfähigkeit seiner Schulden nachweisen kann. Noch immer ist das Rating des Landes weit von Investment Garde entfernt. Immerhin hat die Ratingagentur S&P den Ausblick für Griechenland von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Moody’s hat zuletzt sein Rating auf Caa2 angehoben. Um über die Aufnahme in das Ankaufprogramm zu entscheiden, behält sich die EZB eine weitere, eigene Analyse der Schuldentragfähigkeit vor. Und es ist ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Griechenland Rating Ergebnisse
Quelle/Source: TRADING ECONOMICS

IWFs Mogelpackung gegenüber Griechenland

Zuletzt hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) avisiert, Griechenland mit weiteren 1,6 Mrd. Euro Kredithilfe zu unterstützen. Diese Zahlung verknüpfte der Fonds jedoch mit der Bedingung, dass die europäischen Griechenland-Gläubiger dem Land Schuldenerleichterungen gewähren würden. Dagegen hat sich die Bundesregierung immer wieder ausgesprochen - und daran dürfte sich auch, zumindest bis zur Bundestagswahl im September, nichts ändern. Somit ist der IWF-Beschluss nicht mehr und nicht weniger als eine Mogelpackung. Aber das ist ja nichts Neues!

Großbritanniens Brexit: Negativsignale wegen des EU-Austritts

Man ist sowieso schon unter Zeitdruck und gönnt sich nun noch eine Verhandlungspause von einem Monat. Erst Ende August sollen die Brexit-Verhandlungen der Unterhändler aus London und Brüssel weitergehen, die aufgrund von tiefgehenden Meinungsunterschieden ohnehin kaum aus den Startlöchern gekommen sind. Nun spricht der britische Handelsminister Liam Fox plötzlich von einer Übergangsperiode bis maximal 2022, betont aber im gleichen Interview mit der BBC, die EU bis Ende März 2019 verlassen zu wollen. Ja, was denn nun?

Sobald man die EU verlassen hätte, müsse man sehen, wie ein möglichst sanfter Übergang gelingen könne, so Fox. Dies kann nach seiner Vorstellung in einer Übergangsperiode von etwa 24 Monaten machbar sein, während der Großbritannien weitere Handelsabkommen schließen könne. Offenbar dämmert es den Briten, dass der eigene, ehrgeizige Zeitplan nicht zu halten ist. Ansonsten will man zwar erst einmal raus aus der EU, um dann offenbar doch noch einen weichen Brexit hinzubekommen, wie Fox sagte. Letztlich bedeutet der Vorschlag einer Übergangsfrist lediglich eine Ausdehnung der Verhandlungsphase. Zudem gibt London noch ganz nebenbei bekannt, bereits Sondierungsgespräche mit den USA über eine bipolare Vereinbarung zu führen.

Unterdessen mehren sich die negativen Signale, die von einem drohenden EU-Austritt Großbritanniens ausgehen. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für das Land nach unten korrigiert. Das Wirtschaftswachstum werde lediglich um 1,7% und nicht um 2% zunehmen.

Und nachdem bisher mehrere Banken aufgrund des Brexits die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Frankfurt angekündigt hatten, gab nun die Bank of America bekannt, die Europa-Zentrale ihres Investmentgeschäfts ebenfalls aus London abzuziehen. Allerdings soll es nicht nach Frankfurt, sondern nach Dublin gehen.

Vielleicht ist es ja diese magische Kraft des Faktischen in Form der Verlagerung von Arbeitsplätzen, die den Verhandlungspartnern in Sachen Brexit nach der Sommerpause neuen Schwung verleiht.

(Autor/Quelle: Klaus Stopp, Head of Market Making Bonds der Baader Bank. www.bondboard.de

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Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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