EU-Kommission droht Facebook wegen Privatsphäre-Einstellungen
Brüssel, 09.02.2010 11:25 Uhr (redaktion)
Die Europäische Kommission droht damit, gegen Facebook wegen der jüngsten Änderungen seiner Privatsphäre-Einstellungen vorzugehen. Die Änderung des Unternehmens widerspricht dem EU-Streben nach mehr Datenschutz im Internet, vor allem für Kinder und Jugendliche.
Die für Datenschutz zuständige Kommissarin, Viviane Reding, wird in einer heutigen (9. Februar) Rede aus Anlass des Europäischen Tages des Sicheren Internets in Straßburg ihre "Besorgnis" über die jüngsten Schritte Facebooks zum Ausdruck bringen.
Trotz wachsenden Drucks für verbesserten Datenschutz und mehr Sicherheit für die Nutzer sozialer Netzwerke hatte Facebook Ende Januar seine Privatsphäre-Einstellungen überraschenderweise geändert. Dadurch wurde der Zugang zu privaten Daten auf der Plattform des Unternehmens erleichtert. Seit Januar kann standardmäßig auf die Facebook-Nutzerprofile zugegriffen werden. Sensibilisierte Nutzer, welche die Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten wollen, können ihre Profile umstellen, sodass sie nur von ihren Freunden eingesehen werden können.
Dies entspricht genau dem Gegenteil der früheren Situation, als die Profile standardmäßig privat waren und nur nach ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer öffentlich gemacht wurden. "Ich bin von dieser plötzlichen Änderung überrascht. Ich kann das nicht verstehen, denn es liegt im Interesse von sozialen Netzwerken, den Nutzern die Kontrolle über ihre Privatsphäre zu ermöglichen", wird Reding heute sagen.
Aus dem Umfeld Redings hieß es, die Kommissarin sei aufgrund der jüngsten Änderungen Facebooks besorgt und werde eine entsprechende Untersuchung der kanadischen Datenschutzbeauftragten genau verfolgen. Am 27. Januar hatte die kanadische Datenschutzbeauftragte nach Beschwerden über die neuen Privatsphäre-Einstellungen Ermittlungen gegen Facebook eingeleitet
Hintergrund
Im Dezember 2008 besuchten 211 Millionen Europäer über 15 Jahre ein soziales Netwerk im Internet, was fast 75% der Internetnutzer dieser Altersgruppe entsprach. Die Länder mit den meisten Nutzern sind Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Angesichts dieses weit verbreiteten Phänomens hat die Europäische Kommission ein verstärktes Interesse am Datenschutz und am Schutz der Privatsphäre von Verbrauchern gezeigt. Soziale Netzwerke werden oft als potenzielle Gefahr für unerfahrene Nutzer bewertet.
Die Kommissarin für Informationsgesellschaft Viviane Reding unterstützt diese Haltung. Sie hat die großen Namen der Branche dazu getrieben, einen Verhaltenskodex zu unterzeichnen, mit dem junge Nutzer geschützt werden sollen. Bei ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament im Januar bestätigte sie ihre Haltung und kündigte weitere Datenschutzmaßnahmen in ihrer neuen Rolle als EU-Kommissarin für Datenschutz an.
(Quelle: EurActiv/EU-Kommission)
(Foto: tommyS;PIXELIO)
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