Selbst genutztes Wohneigentum kann künftig in die Altersvorsorge einbezogen werden. Das Bundeskabinett beschloss am Dienstag nach gut zweijährigen Verhandlungen der Koalition den Gesetzentwurf für die Eigenheimrente. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
09.04.2008 12:15 Uhr
RENTE UND VORSORGE

Wohn-Riester für selbst genutztes Wohneigentum ist beschlossen

Freiburg, 09.04.2008 12:15 Uhr (redaktion)

Selbst genutztes Wohn­ei­gentum kann künftig in die Alters­vor­sorge einbe­zogen werden. Das Bundes­ka­bi­nett beschloss am Dienstag nach gut zwei­jäh­rigen Verhand­lungen der Koali­tion den Gesetz­ent­wurf für die Eigen­heim­rente.

Angesammeltes Geld aus einem „Riester-Vertrag“ kann künftig komplett entnommen werden, um schneller eine Wohnung oder ein Haus für den Eigenbedarf kaufen zu können. Auch die Tilgung von Darlehen soll direkt gefördert werden. Die neue Wohnförderung („Wohn-Riester“) wird den Staat knapp eine Milliarde Euro pro Jahr kosten. Teile der Kreditwirtschaft und der Mieterbund hatten die Pläne als zu kompliziert kritisiert und Nachbesserungen gefordert.

Selbst genutztes Immobilienvermögen gehört bisher nicht zu den unmittelbar begünstigten Anlageformen im Rahmen der Riester-Rente. „Für viele Bürgerinnen und Bürger stellt jedoch das mietfreie Wohnen im Alter eine ­ der Geldrente vergleichbare ­ Art der individuellen Altersvorsorge dar“, werden die Gesetzespläne begründet.

Altersvorsorgevermögen komplett für Wohnimmobilie einsetzbar
Nach dem Gesetzentwurf können bis zu 100 Prozent des angesparten, steuerlich geförderten Altersvorsorgevermögens für eine im Inland selbst genutzte Wohnimmobilie verwendet werden. Anders als bisher müssen Berechtigte das Geld nicht vor Beginn der Rente zurückzahlen. Zudem sollen die zur Darlehenstilgung eingesetzten Mittel als Altersvorsorgebeiträge steuerlich gefördert werden. Die für Tilgungsbeiträge gewährten Zulagen sollen komplett für die Abzahlung von Darlehen verwandt werden können.

Fiktives Wohnförderkonto

Um die nachgelagerte Besteuerung im Rentenalter zu ermöglichen, ist die Bildung eines fiktiven „Wohnförderkontos“ geplant. Darauf werden die in der Immobilie gebundenen, geförderten Beträge erfasst. Hinzu kommen zwei Prozent Zinsen im Jahr. Es soll nur das tatsächlich investierte Kapital besteuert werden. Zu Beginn der Auszahlungsphase besteht ein einmaliges Wahlrecht: Förderberechtigte können zwischen der jährlich nachgelagerten Besteuerung und einer Einmalbesteuerung entscheiden. Wenn der geförderte Wohneigentümer die Steuerlast auf einen Schlag begleicht, erhält er einen Rabatt. Dann werden nur 70 Prozent besteuert.

Wird die Steuerlast jährlich beglichen, muss der Betrag des „Wohnförderkontos“ über 17 bis 25 Jahre mit dem individuellen Steuersatz des Förderberechtigten versteuert werden. Neu geregelt wird auch die Wohnungsbauprämie. Bei Neuverträgen soll sich die Prämienbegünstigung künftig auf die Bildung von Wohneigentum konzentrieren.

Bonus für Berufseinsteiger
Neben der besseren Einbeziehung der selbst genutzten Wohnimmobilie wird die „Riester-Rente“ ausgebaut. Für Berufseinsteiger wird ein Bonus eingeführt. Von 2008 an wird allen, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, einmalig eine um 100 Euro erhöhte Grundzulage gewährt. Darüber hinaus soll der Kreis der Förderberechtigten auf Personen erweitert werden, die zwar schon eine Erwerbsminderungsrente erhalten, die aber zusätzlich etwas für das Alter ansparen wollen.

(Quelle: Haufe Finanzdienstleister, dpa)

 

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5 Kommentare »
 
16.07.08 21:43 Uhr
SelbständigerArchi
Wohn-Rürup
So ein umständliches und kompliziertes Gesetz!
Wer denkt sich nur so ein Schmarren aus!!!

Wer geht denn auf die Barrikaden, da das Gesetz für viele nicht anwendbar ist, wie z.B. Selbständige??? Naja, es herrscht in der Öffentlichkeit (vielleicht auch bei Politikern?) eh noch der Irrglaube, dass jeder Selbständige auch gleichzeitig Millionär ist!
04.07.08 15:27 Uhr
Darlehns-Tilger
Wo erfährt man blos die Details ???
Tja, im prinzip eine Regelung, die eine kleine Ersparnis mitbringen kann, aber wer erklärt die ganzen vielen kleinen Details ??? Die Banken werden nur bunte Prospekte für Immobilien-Darlehen drucken und fleissig vermarkten...
Was aber ist, wenn man bereits eine Immobilie abbezahlt und sogar noch Eigenheimzulage erhält. Kann man dann auch die aktuellen Tilgungsbeträge ab 2008 als Riester anrechnen lassen?
Und was, wenn man bereits kurz nach Renteneintritt, oder sogar davor stirbt, müssen dann die Erben die Versteuerung auf den Riester-Anteil übernehmen, fliesst das dann vielleicht in deren virtuelles Riester-Konto mit ein, oder ist das über den Erbschafts-Steuerfreibetrag mit erledigt ???
Ein grosser Markt für die Steuerberater... Vielleicht gibt es ja demnächst spezielle Riester-Berater?
23.06.08 05:48 Uhr
Frei
Verfassungsmäßig?
Selber schuld! Nicht von ungefähr weist die BRD einen der niedrigsten Selbständigen-Anteile auf.

Im Ernst: Wenn schon die Politik nicht an Wohn-Rürup denkt (wofür gibt es eigentlich Hunderte von Abgeordneten?) hätte hier eine Klage Aussicht auf Erfolg?
10.04.08 11:04 Uhr
Kannnichtsrechtmache
Zu viel Geld
Soviel zu Gerechtigkeit, erst mal muß jemand das Geld übrig haben zum sparen für die Altersvorsorge.
Ich hatte dass in der Ausbildung nicht (280,00 DM 1.Lehrjahr).
Da müßen die Eltern unterstützen (Wenn die genug haben).
Und nun zahle ich die Schulden des selbstgebauten Hauses ab, und habe obwohl kein Urlaub seit des Hausbaus immer noch kein Geld übrig für die Altersvorsorge. Meine Eltern verdienen auch nicht genug, dass es für mich mit reicht.
FAZIT: Man oder Frau muß erst genug übrig haben (der Verdienst paßt sich der Teuerungsrate stets an) sich das Riestern zu leisten.
DAS können also nur die, die eh genug verdienen.
09.04.08 16:09 Uhr
Debbie
und wann kommt Wohn-Rürup?
Auch Selbständige und Freiberufler sorgen mit Immobilien für das Alter vor. Bleibt diese Zielgruppe bei der Förderung außen vor?


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