Viele Anleger haben in den letzten Jahren einen Bogen um Aktien gemacht. Auch heutzutage, trotz niedriger Zinsen, investieren Privatanleger lieber in klassische Anlageprodukte. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
31.03.2015 11:26 Uhr
MARKTEINSCHÄTZUNG AKTIEN

GECAM Asset Kommentar: Sind wir im Aktienmarkt oben angelangt?

Wangen im Allgäu, 31.03.2015 11:26 Uhr (Gastautor)

Die Akti­en­märkte bewegen sich auf einem hohen Niveau. Handelt es sich um eine Blase? Diese Frage wird in den Medien disku­tiert und auch in vielen Gesprä­chen an uns heran­ge­tragen. Ein Kommentar von Daniel Zind­stein, Leiter Port­fo­lio­ma­na­ge­ment des Vermö­gens­ver­wal­ters GECAM AG.

Bevor wir in die Details zu Bewertungen gehen, zunächst einmal eine grundsätzliche Feststellung: Aktienmärkte sind dynamisch und nicht statisch zu betrachten. Viele Anleger denken, dass sich Aktien immer nur in bestimmten Bandbreiten auf und ab bewegen und deshalb als Spiel oder Zockerei zu betrachten sind, mit denen höchstens professionelle Trader Erfolg haben können. Das tun sie nicht!

Vor allem die in Indizes zusammengefassten Aktien großer Industrieländer sind ein Spiegelbild der Wirtschaft und wenn es sich um global tätige Unternehmen handelt, sogar ein Barometer für die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Nur Unternehmen, die weiter wachsen und deren Geschäftsmodell sich im internationalen Wettbewerb bewährt hat, finden sich in Indizes wieder. Firmen, deren Produkte oder Dienstleistung nicht mehr gefragt sind und die Entwicklungen verschlafen haben, fallen aus den Indizes heraus und werden durch neue innovative und zukunftsorientierte ersetzt.

 

Unter dem Strich befinden sich also immer die erfolgreichsten und größten Unternehmen in einem Index, so dass dieser - natürlich unter Schwankungen - langfristig immer weiter steigen muss.


 

Aktien: Bewertungen heute viel günstiger als bei früheren Hochs

Grundsätzlich ist es also immer sinnvoll, in Aktien zu investieren. Um zu erfahren, ob es gerade aktuell günstig oder teuer ist, sollte man nicht auf einen Index-Stand schauen, sondern ob Aktienmärkte im historischen Vergleich, aber auch im Vergleich zu alternativen Anlageformen günstig oder teuer erscheinen.

Die Unternehmen, die im deutschen Leitindex Dax gelistet sind, haben zum Beispiel im Jahr 2000, als der Index das erste Mal die 8.000 Punkte erreichte, in Indexpunkte umgerechnet (zum besseren Vergleich) rund 254 Punkte Gewinne erzielt. Die Unternehmen wurden also mit 31-fachen des aktuellen Jahresgewinns bewertet (8.000 geteilt durch 254). Aktuell gehen Analysten von einem Jahresgewinn der Dax-Unternehmen von 850 Index-Punkten aus. Das heißt, der Index wäre mit dem 14-fachen des Jahresgewinns bewertet (12.000 geteilt durch 850).

Unzweifelhaft befanden wir uns im Jahr 2000 in einer Blase. Sollten entsprechende Blasen-Niveaus wieder erreicht werden, müsste der Dax also auf über 26.000 steigen - vorausgesetzt die Gewinne der Unternehmen bleiben konstant und steigen nicht an. Natürlich gilt dieser simple Zusammenhang nicht nur für deutsche Aktien. Der große US-Index S&P 500, in dem die 500 größten amerikanischen Unternehmen zusammengefasst sind, wurde im Jahr 2000 mit dem 27-fachen Jahresgewinn bewertet, heute jedoch nur mit dem 17-fachen.

Gewinnentwicklung positiv

Wie erwähnt werden Bewertungen von Aktien teurer, wenn die Kurse steigen, die Unternehmensgewinne jedoch stagnieren oder fallen. Das bedeutet: Ebenso wichtig wie der Blick auf die Kurse der Indizes, ist der Blick auf die Gewinnentwicklung. Und die sehen wir äußerst positiv. Wie schon häufiger beschrieben, werden insbesondere die Gewinne exportorientierter Unternehmen aus Europa, Japan und Südostasien (Rohstoff-importierende Länder) von vielen Faktoren getrieben, die es in diesem Gleichlauf nur sehr selten gab und die aus unserer Sicht noch bei Weitem nicht voll in den Gewinnschätzungen enthalten sind:

  • Schwächere Währungen im Vergleich zum US-Dollar erhöhen die Gewinnmargen und ermöglichen eine Ausweitung der Marktanteile, was mittelfristig zu mehr Umsatz führt.
  • Günstigere Rohstoffpreise - allen voran Öl - führen zu bedeutend günstigeren Einkaufspreisen in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe. Ein wahrer Schub für die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV), wenn man bedenkt, dass in vielen Branchen Rohstoffpreise und Preise für Vorleistungsgüter den Großteil der Kosten ausmachen.
  • Das niedrige Zinsumfeld in Europa kommt mittlerweile auch bei Unternehmen in der europäischen Peripherie an. Darüber hinaus haben über zwanzig Notenbanken rund um den Globus im laufenden Jahr ihre Leitzinsen gesenkt. Geht man beispielhaft davon aus, dass das Unternehmenskapital zu 70 Prozent aus Fremdkapital besteht, sind halbierte Finanzierungskosten (Zinsen) ein wahrer Segen für die Kostenseite.
All diese Faktoren wirken jedoch nicht unmittelbar, sondern erst im Zeitablauf. Manche Luftfahrtgesellschaften sichern sich ihre Kerosinpreise bis zu zwei Jahre im Voraus. Dies gilt auch für Rohstoffeinkaufspreise in der Metallindustrie. Auch Zinsbindungen für Unternehmenskredite haben, wie bei jedem Häuslebauer, eine bestimmte Laufzeit, so dass erst nach deren Ablauf von einem günstigeren Zinsniveau profitiert werden kann. Das bedeutet, sollten Rohstoffpreise auf erniedrigtem Niveau verharren, der US-Dollar weiterhin stark und die Zinsen niedrig bleiben, wirken sich diese Parameter erst in den nächsten Monaten und Quartalen auf die Unternehmensgewinne positiv aus. Viel Phantasie also für Aktienkurse.

 

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