In einer Empfehlung des Ausschuss für Finanzstabilität an den Deutschen Bundestag wird vor den Folgen der Niedrigzinspolitik im Wohnimmobilienmarkt gewarnt. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
30.06.2015 16:25 Uhr
RISIKEN IM IMMOBILIENMARKT

Ausschuss für Finanzstabilität warnt vor Überhitzung am Immobilienmarkt

Frankfurt/Main, 30.06.2015 16:25 Uhr (Frank Schulz)

Der im Jahr 2013 einge­rich­tete Ausschuss für Finanz­sta­bi­lität empfiehlt dem Deut­schen Bundestag in einem Bericht Maßnahmen zur Verhin­de­rung einer kredit­ge­trie­benen Über­hit­zung am Immo­bi­li­en­markt in Deutsch­land.

Informationen zum Autor:
Redaktion seit 2007 und Gründer von FMM-Magazin. Erfahrungen in der Finanzindustrie seit 2003 u.a. bei Gruner + Jahr (Financial Times Deutschland) und der OnVista Group.

Der Ausschuss erörtert auf Basis von Analysen der Bundesbank Risiken für die Stabilität des Finanzsystems. Dem Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) gehören Vertreter des Bundesfinanzministeriums, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank an. Er trat erstmals am 18. März 2013 zusammen, um die makroprudenzielle Überwachung, die auf die Stabilität des gesamten Finanzsystems abzielt, zu stärken.

Vor allem das Niedrigzinsumfeld gilt gegenwärtig als wichtigster Bestimmungsfaktor für die aktuelle Risikolage. Zitat: "Vor diesem Hintergrund hat der Ausschuss insbesondere die Auswirkungen der niedrigen Zinsen auf den deutschen Wohnimmobilienmarkt, die deutschen Kreditinstitute und die deutschen Lebensversicherer erörtert. Die Ergebnisse der Analysen und Stresstests legen nahe, dass die makroökonomischen Risiken weiterhin aufmerksam beobachtet werden sollten."

Prof. Dr. Claudia Buch (Bundesbank): "Die niedrigen Zinsen bergen weiterhin Risiken für die Finanzstabilität. Hinzu kommen Risiken aus dem europäischen und internationalen Umfeld. Die deutschen Banken und Versicherer sollten daher ausreichend Kapital aufbauen und gegebenenfalls Gewinne einbehalten, um auch gegen makroökonomische Risiken gewappnet zu sein."

Der Ausschuss empfiehlt der Bundesregierung, bis Ende 2016 die Schaffung von Rechtsgrundlagen zu initiieren, mit denen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Mindestanforderungen für die Kreditfinanzierung von Wohnimmobilien - u.a. die Höhe des mindestens einzubringenden Eigenkapitals oder eine Mindesttilgung - einführen könnte, falls dies in Zukunft für notwendig erachtet werden sollte. Auf diese Weise kann eine Gefährdung der Finanzstabilität aus einer übermäßigen Verschuldung und aus Preisblasen am Immobilienmarkt begrenzt werden.

Hintergrund: Zwei Faktoren sind für die Risikolage des deutschen Finanzsystems bedeutend:

  • die fortgeführte geldpolitische Lockerung, die zu weiter rückläufigen Zinsen bei reichlich vorhandener Liquidität führte,
  • sowie steigenden Risiken und Unwägbarkeiten im europäischen und internationalen Umfeld, wie der Unsicherheit über den Kurs der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Griechenland, dem Russland-Ukraine-Konflikt und dem Ölpreisverfall.
TIPP: pdf-Dokument: Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema: Ausschuss für Finanzstabilität und makroprudenzielle Instrumente zur Vermeidung von Finanzkrisen und insbesondere einer Überhitzung am Immobilienmarkt.

(Quelle: Deutsche Bundesbank)
(Foto: Frank Rumpenhorst / Bundesbank)

 

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