EZB Chef Mario Draghi hat die Aktien- und Rentenmärkte mit seiner jüngsten Entscheidung aufgewirbelt. Ein Kommentar von Klaus Stopp von der Baader Bank. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
10.12.2015 12:46 Uhr
AKTIEN- UND RENTENMÄRKTE

Baader Markets Klaus Stopp | EZB schickt Aktien- und Rentenmärkte auf Talfahrt

FrankfurtMain/München, 10.12.2015 12:46 Uhr (Klaus Stopp)

Hohe Erwar­tungen hatte er aufge­baut und am Ende doch enttäuscht - oder enttäu­schen müssen? Jeden­falls schickten die Neuig­keiten, die Mario Draghi vergan­gene Woche an geld­po­li­ti­schen Beschlüssen zu verkünden hatte, die Aktien-und Renten­märkte zunächst auf Talfahrt.

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Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank und stellt seine Analysen seit 15 Jahren vor.

Im Vorfeld hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) immer wieder angedeutet, dass es zum Einsatz einer großen geldpolitischen Finanzspritze kommen würde. Nun weiteten die Euro-Währungshüter ihr vor allem in Deutschland umstrittenes Anleihekaufprogramm auf 1,5 Bill. Euro aus. Außerdem setzt die EZB den Einlagensatz für Geschäftsbanken auf minus 0,3 Prozent von bisher minus 0,2 Prozent. Die Märkte aber hatten mit erheblich stärkeren Lockerungen gerechnet.

Ursprünglich wollte Draghi weitaus schwereres Geschütz auffahren, hatte damit aber - nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters - gravierende Meinungsverschiedenheiten an der Spitze der EZB ausgelöst. Am Ende hatte sich der EZB-Rat dafür entschieden, die Märkte mit seinen Entscheidungen zu den Zinsen und zur Ausweitung des Anleihekaufprogramms zu enttäuschen, weil von der Wirtschaftsentwicklung und von der Inflationsfront zuletzt günstigere Nachrichten gekommen waren. Offenbar war der Gegenwind, den Draghi nun erfahren hat, so stark, dass sich der Präsident im EZB-Rat nicht durchsetzen konnte. Ob dies den Auftakt zu einer Kursänderung der EZB bedeutet, muss abgewartet werden. Ein Schuss vor den Bug des Präsidenten und damit ein Stück Machtverlust bedeutet die Entscheidung aber allemal.

Weiteren Ärger hat die EZB allerdings auch in Sachen Anfa-Abkommen (Agreement on net-financial assets). So weigert sich die Zentralbank noch standhaft, den Inhalt dieser Vereinbarung mit den nationalen Notenbanken öffentlich zu machen. Daraus, so hoffen mehrere Regierungspolitiker, würde hervorgehen, in welchem Umfang nationale Notenbanken im Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) Ankäufe von Staatsanleihen getätigt haben. Das zuletzt im vergangenen Jahr aktualisierte Anfa-Abkommen regelt die Spielräume, welche die Notenbanken des Euroraums für Käufe von Wertpapieren und auch Staatsanleihen auf eigene Rechnung haben. Da auch die nationalen Notenbanken dem Verbot der monetären Staatsfinanzierung unterliegen, könnte eine Offenlegung darüber Aufschluss geben, inwieweit der aufgekommene Verdacht gerechtfertigt sein könnte.

Klartext redete dieser Tage die Mainzer Finanzökonomin Isabel Schnabel, Mitglied des Rats der Wirtschaftsweisen, gegenüber der FAZ. „Das Anfa-Programm untergräbt aufgrund seiner Intransparenz die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik. Es ist beunruhigend, wenn das Programm selbst für Herrn Draghi sehr schwer zu verstehen ist, wie er letzte Woche bei der Pressekonferenz sagte“, meinte sie. EZB-Chef Mario Draghi hatte auf Nachfrage gesagt, dass es „sehr schwer zu verstehen" sei, warum die nationalen Zentralbanken bestimmte Anleihen kauften. Was sie kauften, liege aber gänzlich in ihrer Autonomie und er wolle dazu keine Angaben machen. Besonders die italienische sowie die französische Notenbank sollen nach FAZ-Angaben das Anfa-Abkommen genutzt haben, um in dreistelliger Milliardenhöhe Papiere zu kaufen. Hinweis an die EZB: Transparenz sieht anders aus.

Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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