Der Kapitalmarktexperte Robert Halver nennt die Börsenweisheit “Sell in May and go away“ im Moment nur eine Kräuterhexenwissenschaft. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
10.05.2017 11:43 Uhr
AKTUELLE FINANZMARKTDATEN

Kapitalmarkt mit Robert Halver: Deutlich mehr Stabilität an der Börse

FrankfurtMain/München, 10.05.2017 11:43 Uhr (Robert Halver)

In früh­reren Jahren hatte die Börsen­weis­heit "Sell in May and go away" noch mehr Bedeu­tung. Insge­samt fehlen heut­zu­tage die tech­ni­schen Zutaten für den berühmt-berüch­tigten Mai-Effekt im Sinne nach­hal­tiger Akti­en­kursein­brüche.

Informationen zum Autor:
Halver Robert
Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. Bereits seit 2012 berichtet er auf FMM-Magazin.de über die Geschehnisse an den Börsen. Baader betreut an den Börsenplätzen Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin u.a. den Handel mit Aktien, Anleihen, Derivaten und Fonds.

Aufgrund der global vernetzten Finanzmärkte mit stetigem Informationsfluss über das ganze Jahr hinweg hat die frühere "Saure Gurken-Zeit“ kaum mehr Bedeutung. So zwingen die latenten politischen Risiken - z.B. die Wahlen in Frankreich, Brexit-Verhandlungen, Trump - Finanzmarktakteure zu einer stetigen Beobachtung, Einschätzung und Anlageaktivität. Hinzu kommt die Notwendigkeit großer Vermögensverwalter und Kapitalsammelstellen, im globalen Konkurrenzkampf Rendite erwirtschaften zu müssen.

Betrachtet man die Mai-Rendite am deutschen Aktienmarkt (DAX) zwischen 2006 und 2016, präsentiert sich insgesamt ein ausgeglichenes Bild, das keine hinreichenden Rückschlüsse auf eine befürchtete, markante Mai-Saisonalität zulässt. Die tatsächlichen Aktienkonsolidierungen 2010, 2011 und 2012 sind den Euro-Finanz- und Stabilitätskrisen geschuldet, die zurzeit aber geldpolitisch konsequent verhindert werden.

Robert Halver Finanzmarkt Kursverlauf DAX

Gewinnmitnahme an der Börse

Im Übrigen hat sich die Stimmung an den Börsen deutlich stabilisiert. Nur wenn es zu klar überschießenden Aktienmärkten kommen sollte, die den Dax auf 13.000 Punkte hievten, stehen gesunde Gewinnmitnahmen an, die in ihren Ausmaßen aber auch nicht gravierend sein würden.

Innerhalb der Aktienmärkte zeigt Europa gegenüber den USA eindeutig relative Stärke. Während Trumps Wirtschaftsoffensive stockt, ziehen sich in Europa politische und konjunkturelle Risiken zumindest vorerst zurück. Auch das Deflationsgespenst hat Europa verlassen. Gleichzeitig bleibt aber die Geldpolitik der EZB sehr freizügig. Und für Europa spricht nicht zuletzt ein stabiler Euro, der z.B. bei US-Anlegern keine Währungsverluste verursacht. Eine Trendfortsetzung ist grundsätzlich zu erwarten.

Robert Halver Marktdaten Übersicht

Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Warten auf neue Impulse

Beim DAX verlaufen erste Unterstützungen bei 12.532, knapp darunter bei 12.511 und schließlich bei 12.483 Punkten. Darauf folgt die nächste Auffanglinie bei 12.456. Wird diese unterschritten, müssen Kursverluste bis 12.391 und darunter bis zur nächsten Unterstützung bei 12.219 in Betracht gezogen werden. Kann der Index auf der Oberseite den Widerstand bei 12.618 Punkten durchbrechen, ist der Weg zu neuen Allzeithochs bis hin zur Marke von 12.832 Punkten frei.

Der Euro Stoxx 50 trifft bei 3.598 und 3.537 Punkten auf die nächsten wichtigen Unterstützungen. Werden diese unterschritten, treten weitere Haltelinien bei 3.492 und darunter bei 3.395 sowie 3.345 Punkten in den Vordergrund. Können auch diese nicht verteidigt werden, droht ein Kursrutsch bis zu 3.129. Wird hingegen auf der Oberseite der Widerstand bei 3.685 durchbrochen, liegen die nächsten Hürden bei 3.751 und schließlich bei 3.836 Punkten.

Der Wochenausblick für die KW 19

In China verdeutlichen erneut rückläufige Im- und Exporte, dass die Konjunktur nicht auf festen Füßen steht.

In den USA signalisieren sowohl das von der University of Michigan veröffentlichte Konsumentenvertrauen als auch die Einzelhandelsumsätze einen stabilen Start in das II. Quartal. Der vom NFIB ermittelte Optimismus mittelständischer Unternehmen steigt allerdings nicht weiter.

In der Eurozone zeigt sich das vom Finanzdatenanbieter Sentix veröffentlichte Investorenvertrauen ordentlich. Der ungeteilte Fokus der Anleger gilt der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 7. Mai, bei der sich der Europa-freundliche und wirtschaftsliberale Macron gegen die Euro-kritische Kandidatin Le Pen durchsetzen dürfte.

In Deutschland unterstreichen solide BIP-Zahlen für das I. Quartal sowie erneut freundlichere März-Zahlen zu Auftragseingängen in der Industrie, Industrieproduktion sowie Export die fortschreitende Konjunkturstabilisierung.

Robert Halver Interview Bild Börse Frankfurt

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
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85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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