Auf den weltweiten Meeren herrscht viel Verkehr. Vor allem große Frachter mit ihren hohen Emissionen geht es an den Kragen. Ab 2020 gelten schärfere Auflagen. Forscher entwickeln Frachter mit Windantrieb. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
05.01.2015 13:04 Uhr
FRACHTSCHIFFE MIT WINDANTRIEB

Maritime Wirtschaft: Forscher entwickeln Frachter mit Windantrieb

München, 05.01.2015 13:04 Uhr (Wirtschaftsredaktion)

Die Umwelt­be­las­tung durch große Frachter ist enorm. Immerhin werden fast 90 Prozent des Welt­han­dels über die Schiff­fahrt abge­wickelt. Auf Reede­reien kommen ab dem Jahr 2020 neue Auflagen zu. Dann müssen neue Emis­si­ons­richt­li­nien einge­halten werden. Inno­va­tive neue Schiffe sind eine Alter­na­tive.

Ab 2020 dürfen Schiffe in bestimmten Gebieten nur noch 0,1 Prozent Schwefel im Treibstoff haben. Der höherwertige Kraftstoff mit weniger Schwefel ist aber teurer als das bislang genutzte Schweröl. Reedereien stehen vor der großen Herausforderung, ihre Treibstoffkosten zu senken und zugleich die Emissionsrichtlinien einzuhalten.

Einen neuen Weg, Treibstoffverbrauch, Abgase und Kosten zu reduzieren, geht der norwegische Ingenieur Terje Lade, Geschäftsführer von der Firma Lade AS: Er entwarf mit VindskipTM einen Schiffstyp, der auf Schweröl verzichtet und Wind als Antriebsenergie nutzt.

Der Rumpf des Frachters dient als Segel. Auf hoher See soll VindskipTM vom kostenlos wehenden Wind profitieren, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Für windschwache Passagen, um das Schiff auf das offene Meer zu manövrieren, aber auch um unterwegs eine konstante Geschwindigkeit zu halten, ist es zudem mit einem umweltfreundlichen, kosteneffizienten Antrieb für flüssiges Erdgas (englisch Liquid Natural Gas, kurz LNG) ausgestattet.

Mit der Kombination aus Wind und verflüssigtem Erdgas als Alternativkraftstoff zum Schiffsdiesel soll der Treibstoffverbrauch nach Berechnungen des Norwegers nur 60 Prozent des Verbrauchs eines herkömmlichen Schiffs betragen. Bei den Abgasen sind es sogar bis zu 80 Prozent.

Frachter mit Wetter-Routing-Modul

Um die optimale Segelroute zu errechnen, haben Forscher vom Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML, Institutsteil des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, ein maßgeschneidertes Wetter-Routing-Modul für VindskipTM entwickelt. Mithilfe von meteorologischen Daten soll die Software basierend auf Navigationsalgorithmen für den neuen Schiffstyp eine Route mit dem günstigsten Winkel zum Wind wählen, um das Design effizient zu nutzen.

Für die komplexen Berechnungen ziehen die Forscher zahlreiche Parameter heran wie aero- und hydrodynamische Daten sowie meteorologische Vorhersagen der Wetterdienste, zum Beispiel Windgeschwindigkeit und Wellenhöhe.

Doch wie ist es möglich, dass sich VindskipTM vorwärts bewegt?

"Trifft der Wind schräg von vorn auf den Rumpf, entsteht daraus eine Kraft in Längsrichtung, das Schiff nimmt Fahrt auf. Da der Rumpf die Form eines vertikal stehenden symmetrischen Tragflügels wie bei einem Flugzeug hat, muss der schräg einfallende Wind auf der ihm abgewandten Seite – Lee – einen längeren Weg zurücklegen. Dadurch entsteht an der dem Wind zugewandten Seite – Luv – ein Unterdruck, der das Schiff nach vorne zieht", erklärt VindskipTM-Patentinhaber Lade.

Auf eine Geschwindigkeit von 18 bis 19 Knoten soll es der Frachter bringen, und damit ebenso schnell sein wie herkömmlich angetriebene Schiffe. Aufgrund des geringen Verbrauchs kann VindskipTM LNG als Treibstoff nutzen und gleichzeitig bis zu 70 Tage ohne Tanken auskommen. Damit erfüllt das Schiff alle Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit des Treibstoffverbrauchs sowie der Emissionsrichtlinien.

Ende Januar 2015 wird die Software an die Firma Lade AS übergeben. Mögliche Schiffstypen im VindskipTM-Design, für die das Modul die beste Segelroute finden soll, sind vor allem Auto- und Lkw-Transporter, große Fähren, Containerschiffe und Flüssiggastanker. Lade geht davon aus, dass der Frachter bereits 2019 in See stechen wird.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

 

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