Nachdem sich die Briten beim Referendum für einen Austritt aus der EU ausgesprochen haben, wird sich nun sehr schnell zeigen, welche Folgen diese Entscheidung haben wird. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
28.06.2016 15:16 Uhr
BREXIT VERÄNDERT UK BEZIEHUNGEN

Natixis Chefvolkswirt | Auswirkungen des Brexit auf Handel und Leben in UK

Paris/Frankfurt am Main, 28.06.2016 15:16 Uhr (Gastautor)

Der Wille, die Euro­päi­sche Union zu verlassen, wird nicht nur das Leben in Groß­bri­tan­nien, sondern in ganz Europa maßgeb­lich und nach­haltig beein­flussen. Ein Kommentar von Phil­ippe Waechter, Chef­volks­wirt bei Natixis AM.

Die Beziehungen Großbritanniens zum Rest der Welt werden sich verändern.

Auf sehr kurze Sicht wird auf wirtschaftlicher Ebene aber zunächst einmal nichts passieren. Allerdings werden sich die Erwartungen gravierend verändern, und dieser Umstand wird dann auch die Finanzmärkte belasten. Auch die Notenbanken werden nicht neutral bleiben und wohl eingreifen müssen, um zu verhindern, dass der „britische Schock“ auch auf andere Volkswirtschaften übergreift. Das Weltwirtschaftswachstum ist momentan zu schwach, um einen solchen Schock abzufedern. Wie bereits während der Krise der Jahre 2008 und 2009 werden die Swap-Abkommen zwischen den einzelnen Notenbanken reaktiviert werden, um die globalen Finanzmärkte liquide zu halten.

Für die Wirtschaft ist die Sache ziemlich einfach: Die Beziehungen Großbritanniens zum Rest der Welt werden sich grundlegend verändern. So werden die „Spielregeln“ für die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt nie wieder dieselben sein. Allein die Größe und Bedeutung der britischen Wirtschaft gibt dem Rest der Welt Anlass zur Sorge. Angesichts eines lediglich mäßigen Wachstumstrends und einer bereits seit langem sehr lockeren Geldmarktpolitik der Notenbanken werden sich die Beziehungen zueinander ebenso verändern wie das allgemeine Umfeld. Mit anderen Worten: Ein negativer und nachhaltiger Schock, der wegen der aktuellen Niedrigzinspolitik kaum Handlungsspielraum bietet, kann dauerhafte Konsequenzen für Großbritannien und den Rest der Welt haben. Und das ist der Punkt, der wirklich besorgniserregend ist. In einer Phase kräftigen Wachstums wären die Folgen eines solchen Schocks weniger gravierend gewesen, weil man dann mehr Spielraum für entsprechende Anpassungsmaßnahmen gehabt hätte. Außerdem hätte David Cameron die Mitgliedschaft in der EU in einer solchen Phase vermutlich gar nicht erst zur Abstimmung gestellt.

Eine neue Struktur muss zuerst definiert werden

Das größte Problem besteht nun darin, dass Großbritannien in Zukunft nicht mehr im selben Maße Zugang zum Binnenmarkt haben wird wie bisher. Eine neue Struktur muss aber zuerst noch definiert werden. Das wird Zeit brauchen und deshalb Unsicherheit mit sich bringen. Auf kurze Sicht können wir nicht abschätzen, welche „bewahrenden“ Maßnahmen im Zuge der Verhandlungen ergriffen werden. Was den Rest der Welt betrifft, so werden die Handelsbeziehungen Großbritanniens zurzeit noch von all den Handelsabkommen geregelt, die von der EU geschlossen worden sind. Durch den Brexit wird Großbritannien aus diesen Handelsabkommen ausgeschlossen. In einer Phase, in welcher der Welthandel nicht mehr als Transmissionsmechanismus und Wachstumstreiber fungiert, wird der Brexit-Schock für zusätzliche Verunsicherung sorgen und die Weltwirtschaftsaussichten beeinträchtigen.

Gov.UK Press Brexit

Statements zum EU Referendum von David Cameron (Link to GOV.UK).

In Verbindung mit der Tatsache, dass viele Bankengeschäfte auf Euro-Basis in die EU verlagert werden, wird dieses Phänomen dazu führen, dass die Zukunftserwartungen nach unten korrigiert werden (auch wenn diese Folgen auf sehr kurze Sicht noch gar nicht wahrgenommen werden). Es wird einige Zeit dauern, bis ein wirklich solides Abkommen ausgehandelt und eine robuste Struktur für Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU sowie zwischen Großbritannien und dem Rest der Welt festgelegt worden sind. Dies wird ein hohes Maß an Unsicherheit und Risiken mit sich bringen. Dadurch werden die Wirtschaftsaktivitäten sowohl in Großbritannien als auch in Europa belastet.

(Quelle: Natixis Asset Management / INSTINCTIF PARTNERS)

Background:

Mit einem verwalteten Vermögen von 347 Mrd. Euro und 712 Mitarbeitern1 zählt Natixis Asset Management zu den führenden Vermögensverwaltern Europas2. Natixis Asset Management bietet seinen Kunden maßgeschneiderte, innovative und effiziente Anlagelösungen an, die in sechs Investmentabteilungen strukturiert sind: Anleihen, europäische Aktien, Investment- und Kundenlösungen, von Seeyond entwickelte strukturierte Produkte und Volatilitätsmanagement, globale Schwellenländeraktien von Emerise sowie von Mirova entwickelte Produkte für verantwortungsbewusste Investments.

Source 1 Natixis Asset Management - Natixis Asset Management Asia Limited per 31. März 2016.
Source 2 Im Rahmen der „IPE Top 400 Asset Managers 2015“ wurde Natixis Asset Management auf Basis des weltweit verwalteten Vermögens als die Nr. 46 unter den größten Vermögensverwaltern mit Hauptsitz und/oder einer bedeutenden Niederlassung in Europa eingestuft (Stand: 31. Dezember 2014).

Disclaimer

Veröffentlichungen und Mitteilungen über Finanzprodukte und Kapitalmarktanalysen dienen der Informationsgebung, entweder durch Dritte oder durch eigene Beschreibungen. Die hier aufgeführten Äußerungen, Analysen und Produktbewertungen sind ausschließlich Meinungen und Ansichten des Herausgebers bzw. Produktgebers. FMM-Magazin.de führt keine Finanzberatung durch, ruft nicht zum Erwerb oder zum Verkauf von Anlageprodukten oder Wertpapieren auf. Interessierte Anleger sollten sich grundsätzlich Emissions-/Produktprospekte genau anschauen. Die Aufsichtsbehörde für das Versicherungs- und Finanzwesen ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn.

 

  • Finanzen
  • Europa
 
Artikel »   Drucken Versenden

 


Kommentar schreiben »



Kommentar:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an
      meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)

Bitte übertragen Sie die dargestellte Zeichenfolge in das rechte Feld:

* Bitte halten Sie sich an die Netikette und vermeiden persönliche Anschuldigungen, Beleidigungen und Ähnliches. Verbreiten Sie außerdem keine Unwahrheiten, Vermutungen, Gerüchte sowie rufschädigende oder firmeninterne Informationen. Beachten Sie die Rechte Anderer und urheberrechlich geschützter Quellen. Bei rechtlichen Verstößen haften Sie in vollem Umfang. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, Ihre IP-Adresse und Ihren Provider zu speichern. Mit dem Speichern Ihres Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regelungen einverstanden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

nach oben
Schnelleinstieg in die Kategorien ...
Finanzdaten von Sentix
Aktivste Kryptowährungen
Bereitgestellt von Investing.com
Marktkommentare von der Frankfurter Börse
Börse - Themen Specials

Privatanleger: Sparplan oder Einmalanlage?

Google Vortrag zum Thema Finanzgeschäfte

Vortrag von Salvatore Pennino, Industry Leader Finance Google Germany. Das Thema "Next Generation Banking." Ein interessanter Einblick, welche Ideen Google hat und spannende Informationen über Hintergründe.

Finanzexperten-Forum auf FMM-Magazin.de
Thema Geldanlage: Wissen zum Trading
Aktuelle Artikel aus der Rubrik Investment
Finanzwissen - Produkte & Handelssysteme
Börse für Privatanleger
Das Xetra-Orderbuch bietet Privatanlegern Transparenz beim An- und Verkauf von Aktien

Erklärung und Handel...
 
Finanzen Markt & Meinungen - Das Praxismagazin für Finanzthemen
Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

Portalsystem 2018 © FSMedienberatung
Contentservice: Javascript Newsticker für Ihre Internetseite RSS Feed XML 0.9
0,455 Sek.