Prognosen: Im Jahresdurchschnitt 2010 wird es 3,5 Millionen Arbeitslose geben
Nürnberg, 18.03.2010 07:40 Uhr (redaktion)
Gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2009 wäre dies ein Anstieg um 120.000. Dabei unterstellen die Forscher ein Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,75 Prozent im Jahr 2010.
Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktprojektion des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitregelungen haben im Jahr 2009 die Wucht der Wirtschaftskrise am deutschen Arbeitsmarkt größtenteils abgefangen. Der Rückgang der Arbeitszeit hat sich im zweiten Halbjahr 2009 jedoch verlangsamt. „Die Betriebe scheinen die Möglichkeiten, über flexible Arbeitszeiten die Unterauslastung ihrer Mitarbeiter auszugleichen, weitgehend ausgeschöpft zu haben“, erklären die IAB-Forscher. Bei einem Anziehen der Konjunktur erwarten sie, dass die Unternehmen zuerst die Kurzarbeit zurückfahren und Arbeitszeitkonten wieder füllen, bevor sie in größerem Umfang neu einstellen.
„Eine generelle Entwarnung kann für den Arbeitsmarkt jedenfalls nicht gegeben werden, denn die deutsche Wirtschaft ist nach wie vor deutlich unterausgelastet“, geben die Autoren der IAB-Studie zu bedenken. Wegen der unverändert schlechten Chancen am Arbeitsmarkt sei es insbesondere für arbeitslos gewordene Personen und für Ausbildungsabsolventen schwer, eine Stelle zu finden. Die Dauer der Arbeitslosigkeit dürfte sich deshalb erhöhen, was 2010 zu einer wachsenden Zahl an Hartz-IV-Beziehern führe.
Aufgrund der demografischen Entwicklung wird das Arbeitskräfteangebot 2010 in Westdeutschland stagnieren, in Ostdeutschland jedoch um mehr als 110.000 Personen sinken, zeigen Berechnungen des IAB. Dies wirkt sich entlastend auf den ostdeutschen Arbeitsmarkt aus, der zudem aufgrund der unterschiedlichen Branchenverteilung bisher weniger von der Krise betroffen war. Deshalb finde der Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit im Jahr 2010 ausschließlich in Westdeutschland statt, so die IAB-Studie. Während die Forscher in Westdeutschland einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 150.000 Personen erwarten, könnte die Arbeitslosenzahl im Osten dagegen sogar um etwa 30.000 Personen sinken.
Für das Jahr 2011 wird derzeit ein Wachstum zwischen 1,2 und 2 Prozent angenommen. Der IAB-Arbeitsmarktprojektion zufolge ist damit 2011 ein weiterer Rückgang der Beschäftigung eher unwahrscheinlich. „Vielmehr dürfte ein Jahr des ‘jobless growth’ bevorstehen: ein schwaches Wachstum, das nicht zu mehr Beschäftigung führt“, schreiben die Forscher des Arbeitsmarktinstituts.
(Quelle/Material: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)
(Foto: Rainer Sturm;PIXELIO)
Arbeitsmarkt Wirtschaft Politik
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