Deutsche Banken würden gerne Daten bei der finanziellen Inklusion im Customer Due Diligence Prozess miteinander austauschen. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
03.11.2016 11:30 Uhr
CUSTOMER DUE DILIGENCE

Risikomanagement in Banken: Höhere Kreditwürdigkeit durch finanzielle Inklusion

Düsseldorf, 03.11.2016 11:30 Uhr (Frank Schulz)

Daten sind ein hohes Gut - gerade bei der Vergabe von Krediten an Privat­kunden und Unter­nehmen. Das Risi­ko­ma­na­ge­ment der Banken würde gerne mehr Daten unter­ein­ander austau­schen.

Banken fördern die finanzielle Inklusion1 durch das Angebot von Bankkonten. Doch noch immer werden Kunden abgelehnt, erhalten nicht einmal ein Basiskonto. Deutsche Banken lehnen zudem rund 16 Prozent und mehr ihrer potenziellen Geschäftskunden mit kleinen Betrieben (KMU) ab. Ursachen sind u.a. eine geringe Bonität und fehlende Daten, die womöglich mehr Transparenz der individuellen Kreditwürdigkeit erzielen könnten. In einer Studie2 der LexisNexis® Risk Solutions gaben 79 Prozent der 305 Experten mit Verantwortungsbereichen zu Anti-Geldwäsche an, dass die Vorteile einer globalen Customer Due Diligence die potenziellen Hürden überwiegen würden.

Alle in Deutschland Befragten (100 Prozent) sind überzeugt, dass ein Customer-Due-Diligence-Prozess (sorgfältige Prüfung und Analyse eines Unternehmens, insbesondere im Hinblick auf seine wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse), der auf globaler Ebene durchgeführt werden würde, viele Vorteile hätte. Dieser könnte dazu beitragen, die Effizienz zu steigern sowie die Datenqualität zu verbessern und schließlich durch bessere Entscheidungen die Reputation des Unternehmens zu schützen.

Finanzielle Inklusion ja - aber Banken sitzen auf ihren Daten

Die Befragten gaben an, dass durch finanzielle Inklusion beispielsweise die Menge der Daten vergrößert werden könnte, auf die zur Kundenüberprüfung zurückgegriffen werden kann (34 Prozent). Daneben könnte der Service verbessert werden, weil den Kunden der Zugang zu zusätzlichen Dienstleistungen schneller ermöglicht werden könnte (60 Prozent). Ein Großteil der in deutschen Finanzinstituten Befragten (74 Prozent) würde solche Kooperationen eingehen, um die erstmalige Kundenprüfung, die Know-Your-Customer-Aktivitäten und die Beobachtung von Sanktionslisten zu optimieren. Allerdings würden nur 68 Prozent der Befragten anderen Daten zur Verfügung stellen, um Verbesserungen in diesen Prozessen zu erzielen. Ein Großteil der Befragten (79 Prozent) ist jedoch überzeugt, dass Banken von gemeinsam genutzten Daten profitieren würden.

45 Prozent der Befragten geben an, dass sie 16 bis 25 Prozent der potenziellen Kunden ablehnen. Bei weiteren 10 Prozent ist die Quote der abgelehnten Kundenanfragen sogar noch höher. Nur Brasilien weist noch höhere Ablehnungsquoten auf. Die Studie macht außerdem deutlich, dass deutsche Banken im Vergleich zu anderen Ländern, die in die Studie einbezogen wurden, deutlich länger brauchen, um neue Kunden zu überprüfen: 53 Prozent der Befragten brauchen hierfür zwischen zwei und fünf Tagen. Die Befragten in deutschen Banken geben an, dass vor allem die mangelhafte Qualität und die Überprüfung der Daten zeitaufwändig sind. Verursacht werden die Schwierigkeiten bei der Überprüfung vor allem durch schlechte Bonitäten und zu wenige Daten, um die Kreditwürdigkeit bewerten zu können.

„Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Banken nicht nur durch die steigenden Kosten für Compliance gefordert sind, sondern auch Kunden und Geschäfte deshalb verlieren, weil die erstmalige Prüfung problematisch sein kann“, so Seyfi Günay, Head of Sales für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei LexisNexis Risk Solutions. Im Vergleich hierzu lehnt weltweit die Hälfte der Banken 6-15 Prozent ihrer potenziellen Kunden ab.

Obwohl es in Deutschland das Recht auf ein Bankkonto gibt, werden auch hier Kunden abgelehnt, beispielsweise, wenn es um zusätzliche Leistungen geht. Günay erklärt weiter: „Es muss berücksichtigt werden, dass allein der Zugang zu einem Basiskonto nicht ausreichend ist. Wirkliche finanzielle Inklusion fängt an, wenn Privatkunden und kleineren Unternehmen verschiedene Finanzdienstleistungen angeboten werden. Dazu gehören vor allem Kredite, denn viele Banken haben keinen ausreichenden Zugang zu den Daten der Basiskonten. Für ein zufriendenstellendes Maß an finanzieller Inklusion und den Aufbau von Kreditwürdigkeit ist es aber notwendig, Privatkunden Produkte wie Kreditkarten anzubieten und kleinen Betrieben Kreditlinien bereitzustellen, damit diese über ein ausreichendes Working Capital verfügen.“

1 Zugang zum Finanzsystem für Menschen via Bankkonten und die Vergabe u.a. von Krediten. Vorteile sind beispielsweise die Freisetzung von wirtschaftlichem Potenzial, Verbesserung der Lebenssituation und der Volkwirtschaft insgesamt.

2 LexisNexis® Risk Solutions hat online 305 Experten mit Verantwortungsbereichen zu Anti-Geldwäsche in acht Ländern (USA, Großbritannien, Deutschland, Brasilien, Mexiko, China, Hong Kong und Singapur) befragt. Die Studie fragte nach dem Interesse an einem globalen System zu Customer-Due-Diligence-Prüfungen sowie nach erhöhter finanzieller Inklusion und Transparenz. LexisNexis Risk Solutions wurde nicht als Sponsor der Studie genannt. Die Daten wurden zwischen dem 17. und 25. August 2016 erhoben.


(Quelle: cometis AG / LexisNexis® Risk Solutions)

 

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