2016 wird für Unternehmen in zahlreichen Branchen hart werden, so die Analyse des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
16.03.2016 13:27 Uhr
GLOBALE BRANCHENANALYSE

Risikostudie von Euler Hermes | Darauf müssen sich Unternehmen einstellen

Hamburg/Düsseldorf, 16.03.2016 13:27 Uhr (Wirtschaftsredaktion)

Die Euler Hermes Volks­wirte haben 2015 insge­samt 148 Bran­chen aufgrund stei­gender Risiken in ihrer Bewer­tung herab­ge­stuft - dem gegen­über standen gerade einmal 76 Hoch­stu­fungen bei verbes­serter Lage.

Euler Hermes hat mit seinem Ansatz der Branchenrisikoanalyse fünf makroökonomische Herausforderungen ermittelt, denen sich Unternehmen 2016 stellen müssen.

1. Lang anhaltend niedrige Rohstoffpreise

Euler Hermes prognostiziert, dass die niedrigen Ölpreise zu einer Abschwächung der ölbezogenen Investitionstätigkeit um schätzungsweise 25 Prozent führen werden. Dies setzt wiederum die Maschinen- & Anlagenbauer stark unter Druck. Im Gegensatz dazu ist die Transportbranche die große Gewinnerin der niedrigen Ölpreise – dokumentiert durch 8 Hochstufungen im Jahr 2015, insbesondere in Europa. Sonstige Rohstoffe wie Eisenerz erleben voraussichtlich noch einen weiteren Preisverfall. Dies wird die Metallbranche weiterhin beeinträchtigen, die die Experten von Euler Hermes bereits in den meisten Ländern (61 von 72) als anfällig für wirtschaftliche Risiken oder von diesen stark gefährdet bewerten.

2. Turbulenzen in den Schwellenländern

Die aufstrebenden Volkswirtschaften der Schwellenländer erlebten 2015 eine noch nie da gewesene Anzahl von (122) Herabstufungen verglichen mit einer nur begrenzen Anzahl von Hochstufungen. Afrika und der Nahe Osten sowie Lateinamerika waren durch 39 beziehungsweise 34 Herabstufungen der Branchenrisiken gekennzeichnet. Brasilien liegt mit 15 von 18 Branchen quasi im Auge des Sturms. Dort muss man sich auf ein gesteigertes beziehungsweise hohes Risiko von Zahlungsausfällen einstellen. Im Gegensatz dazu hat die Entwicklung in Westeuropa innerhalb der weltweiten Risikoprofile mit 24 Hochstufungen bei den Branchenrisiken ausgleichend gewirkt.

3. Steigende Verschuldung, längere Forderungslaufzeiten und ein erhöhtes Ausfallrisiko

Die Forderungslaufzeit (Days of Sales Outstanding, DSO), also die Zeit zwischen Rechnungslegung und Begleichung einer Forderung, verlängert sich derzeit weltweit. Dies ist eine Schlüsselkennzahl für den Cash-Flow sowie für Insolvenzen. In China verschlechterte sich die DSO im Jahr 2015 auf 81 Tage, für 2016 rechnet Euler Hermes mit einer weiteren Verschlechterung um drei Tage auf dann 84 Tage. Insolvenzen steigen in China nach Einschätzungen des Kreditversicherers um 20%. Die Verschuldungsquoten sind auf einem alarmierend hohen Niveau, selbst wenn man sie um die vorhandenen liquiden Mittel bereinigt. Tatsächlich liegen die Verschuldungsquoten in der Metallbranche bei 108% und sowohl im Maschinen- & Anlagenbau als auch in der Papierindustrie bei 92%.

Auswirkung von 5 makroökonomischen Herausforderungen auf das jeweilige Branchenrisiko

Euler Hermes Branchenrisiko

4. Volatilität, Marktschwankungen, Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle „Digital Disruption

Die zyklische Investitionstätigkeit bleibt verhalten angesichts der großen Volatilität und Unsicherheiten bei der globalen wirtschaftlichen Entwicklung und den Marktschwankungen in einzelnen Ländern. Gleichzeitig lauert das Risiko der „Digital Disruption“, der Unterwanderung des Geschäftsmodells eines Unternehmens durch neue Technik und ein neues Geschäftsmodell. Die Gefahr steigt mit den folgenden drei Aspekten: Distanz zum Kunden, ein Ausstieg aus Forschung und Entwicklung und die Abhängigkeit von Infrastruktur im weltweiten Branchenvergleich. Carsharing-Modelle oder auch der Einzelhandel sind hier ein sehr anschauliches Beispiel. Der Internethandel und Absatz über mobile Endgeräte macht heute bereits 3,5 Milliarden US-Dollar aus. Aber auch die Papierbranche sieht ihr Geschäftsmodell durch die Digitalisierung massiv unterwandert und muss neue Wege finden.

5. Weitere Welle von Fusionen und Zukäufen 2016

Spielräume für organisches Wachstum schwinden. Deshalb prüfen Unternehmen vermehrt die Möglichkeit von Unternehmenszukäufen. Euler Hermes geht davon aus, dass das Volumen der weltweiten Fusionen und Unternehmenszukäufe 2016 erneut vier Milliarden US-Dollar übersteigen wird, wobei die Anzahl der Transaktionen um 10% auf rund 20.000 ansteigen dürfte. Diese Zahlen ergeben sich aus einer hohen Aktivität in der Chemie-, Pharma- und Technologiebranche. Insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen durch asiatische Unternehmen, die europäische Unternehmen ins Visier nahmen, war im Jahr 2015 ein besonders dynamisches Wachstum festzustellen – eine Steigerung von 17%.

(Quelle: Euler Hermes)

Disclaimer

Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten. Vorbehalt bei Zukunftsaussagen: So weit wir hierin Prognosen oder Erwartungen äußern oder unsere Aussagen die Zukunft betreffen, können diese Aussagen mit bekannten und unbekannten Risiken und Ungewissheiten verbunden sein. Die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können daher wesentlich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Neben weiteren hier nicht aufgeführten Gründen ergeben sich eventuell Abweichungen aus Veränderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Wettbewerbssituation, vor allem in Allianz Kerngeschäftsfeldern und -märkten, aus Akquisitionen sowie der anschliessenden Integration von Unternehmen und aus Restrukturierungsmassnahmen. Abweichungen resultieren ferner aus dem Ausmaß oder der Häufigkeit von Versicherungsfällen, Stornoraten, Sterblichkeits- und Krankheitsraten beziehungsweise -tendenzen, und insbesondere im Bankbereich aus dem Ausfall von Kreditnehmern. Auch die Entwicklungen der Finanzmärkte und der Wechselkurse, sowie nationale und internationale Gesetzesänderungen, insbesondere hinsichtlich steuerlicher Regelungen, können einen Einfluss ausüben. Terroranschläge und deren Folgen können die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Abweichungen erhöhen. Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtung, die hierin enthaltenen Aussagen zu aktualisieren.

 

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