Robert Halver von der Baader Bank analysiert die jüngsten Entwicklungen an den Aktien- und Rohstoffmärkten. UND: Wie reagiert die US-Notenbank? Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
09.02.2016 11:30 Uhr
KAPITALMARKTANALYSE DER BAADER BANK

Robert Halver | US-Leitzinswende und deren Auswirkungen auf Aktien und Rohstoffe

FrankfurtamMain, 09.02.2016 11:30 Uhr (Robert Halver)

Der Zins­er­hö­hungs­zy­klus der US-Noten­bank steht zur Dispo­si­tion. Zunächst lassen aus natio­naler Sicht die Zinsar­gu­mente nach. Eine Kapi­tal­markt­ana­lyse von Robert Halver, Baader Bank.

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Halver Robert
Robert Halver ist Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin u.a. den Handel mit Aktien, Anleihen, Derivaten und Fonds.

Mittlerweile geht es nicht mehr nur um die verhaltene Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe der USA, das sich bereits in der Rezession befindet. Auch im bislang stabilen Dienstleistungssektor hat sich nach der dritten Eintrübung in Folge ein Abwärtstrend etabliert.

Die US-Notenbank beunruhigt insbesondere die Beschäftigungsplanung. Diese ist in der US-Industrie bereits seit Mitte 2015 stark rückläufig und signalisiert weiteren Stellenabbau. Als Handicap erweist sich aktuell der US-Energiesektor. Gerade das Öl- und Gas-Fracking war als Ausgangspunkt der nächsten industriellen Revolution in den USA gedacht. Ihre im Vergleich zu konventioneller Förderung günstigeren Ölpreise sollten nicht nur der US-Exportindustrie internationale Wettbewerbsvorteile verschaffen, sondern auch ausländische Industrieansiedlungen fördern. Nicht zuletzt sollte über diese Zukunftsbranche insgesamt eine neue amerikanische Beschäftigungsoffensive in Gang gesetzt werden. Bislang jedoch verhinderten die schwachen Ölpreise diese Zukunftshoffnungen.

Mittlerweile macht sich aber auch im früher robusten Dienstleistungssektor ein spürbar langsamerer Beschäftigungsaufbau bemerkbar.

Baader Bank US Unternehmensanleihen

Aber auch das Thema Finanz- bzw. Bankenkrise ist in den USA wieder auf dem Tisch. Der Investitionsboom der US-Fracking-Industrie basierte auf einer dramatischen Refinanzierung über Unternehmensanleihen und Bankenkredite, die insbesondere 2016 und 2017 fällig sind und refinanziert werden müssen. Die ölpreisbedingt schwachen Einnahmen des Energiesektors haben aber bereits zu Liquiditätsengpässen und massiv notleidenden Krediten sowie rückzahlungsgefährdeten Energieanleihen geführt. Schätzungsweise sind ein Drittel der Finanzierungen ausfallgefährdet. Der massive Kursverfall von US-Unternehmensanleihen (High Yield) aus dem Energiesektor unterstreicht diese dramatische Markteinschätzung. Die Angst vor einer Insolvenzwelle bei Energiefirmen mit negativer Ausstrahlung auf Banken hat die Aktienentwicklung der Banken bereits in Mitleidenschaft gezogen. Auch vor diesem Hintergrund gibt es keinen Grund für eine Fortsetzung der US-Leitzinswende.

Angeschlagene Weltwirtschaft als willkommenes Alibi für US-Zinsentspannung

Auch die globalen Konjunkturrisiken kann die Fed nicht unbeachtet lassen. In China verdeutlicht die Neuauftragskomponente des offiziellen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe die Neue Sachlichkeit der Industrie. Immerhin hält sich das Dienstleistungsgewerbe stabil, kann aber einen Dynamikverlust auch nicht leugnen. Allerdings sollte man sich auch vor Augen führen, dass Chinas Übergang zu einer nachhaltigeren Wachstumsphantasie nach langen Jahren des Turbo-Wachstums logisch ist. Anderenfalls würde eine dramatische konjunkturelle Überhitzung drohen, die ein Platzen der Wirtschaftsblase nach sich ziehen würde.

Baader Bank Halver Geschäftslage Eurozone

Auch die Eurozone zeigt sich gemäß der Eintrübung von ifo Geschäftslage und -erwartungen im I. Quartal 2016 konjunkturell lethargisch: Setzt man beide Komponenten gemäß der vier Konjunkturphasen zueinander in Beziehung, droht die Euro-Konjunktur vom Boom in den Abschwung abzurutschen.

Wenn aus Zins-Falken -Tauben werden

Vor diesem nationalen und internationalen Konjunkturhintergrund hat sich die Tonlage einzelner Mitglieder der Fed bereits Richtung Taubengurren geändert. Frau Yellen bekommt sozusagen auf einem silbernen Tablett starke Argumente geliefert, den Zinserhöhungstrend zumindest auszusetzen. Der konkrete Anlass dazu bietet sich im Rahmen der nächsten Fed-Sitzung. Dann könnte man mit der Senkung der US-Inflations- und Wachstumsprojektionen sogar den Nährboden für ein vorzeitiges Ende ihrer Zinserhöhungspolitik bereiten.

Die Fed könnte einen positiven Dominoeffekt bei Aktien auslösen

US-Notenbankpräsidentin Yellen würde damit zu einer Verkettung glücklicher Umstände an den Aktienmärkten beitragen. Wenn sie von weiteren Zinserhöhungen absieht, wird der US-Dollar seinen Aufwertungsdrang umkehren. Damit würde zunächst die Kapitalflucht aus den Schwellenländern Richtung USA eingedämmt. Gleichzeitig fällt es den Schwellenländern leichter, ihren Schuldendienst auf US-Dollar-Basis durchzuführen. Nicht zuletzt erholt sich dann der Ölpreis, der sich grundsätzlich entgegengesetzt zum US-Dollar entwickelt.

Mit erneut steigenden - wenn auch nicht drastischen - Ölpreisen gewinnen die Rohstoffländer wiederum an weltkonjunktureller Kaufkraft, ohne die Industrieländer aber zu sehr in puncto Rohstoffeinkauf zu schädigen. Dieser Positiveffekt würde sich noch verstärken, wenn sich die Perspektive eines bislang unbestätigten Abkommens zwischen der OPEC und Russland bezüglich Förderkürzungen von je fünf Prozent bestätigen würde. Grundsätzlich wird eine einvernehmliche Produktionskürzung aufgrund des untragbaren ruinösen Wettbewerbs ohnehin immer wahrscheinlicher. Ansonsten verlieren am Ende alle Ölförderländer. Kommt es zu einem Abbau des seit Sommer 2014 bestehenden Angebotsüberhangs, wäre das mit spürbaren Entspannungseffekten beim Ölpreis verbunden.

Diese Markteinschätzung setzt sich auch am Öl-Terminmarkt allmählich durch.

Wieder steigende Ölpreise kämen über anziehende Gewinne auf dem US-Energiesektor letztlich auch dem US-Aktienmarkt fundamental zugute. Denn die verhaltene Gewinnentwicklung von Corporate America seit Ende 2014 ist zu einem Großteil dem schwachen US-Energiesektor zuzuschreiben.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank ist Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten und eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region.

Als Market Maker / Spezialist sind wir für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von ca. 860.000 Wertpapieren verantwortlich. Im Investmentbanking entwickeln wir Finanzierungslösungen für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. Institutionellen Anlegern bieten wir umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber: Baader Bank AG Weihenstephaner Str. 4 85716 Unterschleißheim Deutschland www.baaderbank.de

Redaktion: Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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