Verschuldungskrise: Markus Zschaber sieht Spanien als das nächste Griechenland
Köln, 19.02.2010 10:54 Uhr (Markus Zschaber)
Markus Zschaber, V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln, sieht als nächsten Dominostein in der Verschuldungskrise der Euro-Staaten nach Griechenland nicht Portugal oder Irland, sondern vor allem Spanien wackeln.

Als entscheidender Grund für deren Schwäche könnte sich die desaströse Leistungsbilanz der Iberer entpuppen. Nach OECD-Angaben betrug das Defizit allein 2008 über 103 Mrd. Euro, nahezu 10 Prozent des spanischen Volkseinkommens. Diese Defizite übertreffen die von Italien (79 Mrd.) und Portugal (30 Mrd.) deutlich. Unter den Industrieländern haben nur die USA gemessen am Volkseinkommen vergleichbare Defizite. Ökonomisch starke Nationen wie Deutschland, die einen Wachstumsanteil zum europäischen BIP von über 27 Prozent beitragen, realisieren dagegen hohe Leistungsbilanzüberschüsse.
Die Problematik der Ungleichgewichte hat ihren Ausgangspunkt in der unterschiedlichen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik bzw. Fiskalpolitik der verschiedenen Nationen innerhalb der Eurozone. Fakt ist, dass in den Boomjahren in Portugal, Spanien, Irland wie in Griechenland durch enorme Lohnsteigerungen, aber auch durch Steuersenkungen der Binnenkonsum weiter angefacht wurde. Das blieb nicht ohne Folgen. In Spanien stiegen beispielsweise die Immobilienmarktpreise in den letzten 12 Jahren im Schnitt um über 160 Prozent zugelegt haben, im Vergleich dazu sanken die deutschen Immobilienpreise im Schnitt um ca. -15 Prozent im gleichen Zeitraum. Im europäischen Vergleich gibt es keine vergleichbare Immobilienblase. Trotz der markanten Abwertung der Immobilienpreise im letzten Jahr sehe ich den Markt nach wie vor sehr negativ, da horrende Überkapazitäten und wenig Nachfrage bestehen und sich vor allem auch die Investitionsbereitschaft in Neubauten stark abgeschwächt hat.
Ähnlich wie in den USA entstand in Spanien eine stets ansteigende Konsumbereitschaft basierend auf steigenden Immobilienpreisen. Die Problematik entstand allerdings, wie auch in den USA, erst, als die spanische Bevölkerung den Konsum überproportional steigerte und diesen Mehrkonsum durch Aufnahme von neuen Schulden finanzierte, was auch in der stetig steigenden Leistungsbilanz abzulesen war. Laut den Aussagen der EU – Kommission wird das Staatsdefizit in 2010 über 10 Prozent betragen, was als sehr bedrohlich einzustufen ist, vor allem wenn man bedenkt, dass die Staatsverschuldung dann über 66 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Diese Quote gilt zwar als hoch, aber noch nicht als bedrohlich. Im Gegensatz zur Gesamtverschuldung Spaniens, also die Haushaltsverschuldung, die Verschuldung der Unternehmen und die Verschuldung der Bevölkerung.
Zusätzlich sorgt eine Arbeitslosenquote von über 19 Prozent dafür, dass Kredite wahrscheinlich nachhaltig ausfallen werden und das Potenzialwachstum über viele Jahre unterhalb des europäischen Durchschnitts liegen wird. Zusammenfassend wird die Kombination aus horrender Gesamtverschuldung, hoher Arbeitslosigkeit, nachhaltig niedrigem Potenzialwachstum und der nach wie vor vorhandenen schweren Immobilienkrise dafür Sorge tragen, dass Spanien, gemeinsam mit Griechenland, wohl die schlechtesten Perspektiven bietet. Daraus resultiert kurz- oder mittelfristig, dass sich die Renditen spanischer Anleihen ausweiten werden und die Refinanzierung des Landes zunehmend schwieriger werden wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wann der Markt seinen Fokus auf die Qualität der spanischen Volkswirtschaft richten wird. Für mich steht fest, dass die spanische Bevölkerung ihr überschwängliches Leben in der vergangenen Dekade wohl nachhaltig teuer bezahlen wird.
Autoreninformation
Die Vermögensverwaltung Markus C. Zschaber ist seit sechzehn Jahren auf das Segment der aktiven, fondsgebundenen Vermögensverwaltung spezialisiert. Markus C. Zschaber gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland.
(Foto: Hofschlaeger;PIXELIO)
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Lars Brandau ist Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes. In seinen Beiträgen findet der interessierte Anleger Anregungen, Trends und Diskussionspotential.
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