Ohne aktuelle Website geht es im deutschen Bauhandwerk heute nicht mehr. Ein Interview mit Tino Falkowski, Geschäftsführer von Hochbau Falkowski. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
23.03.2018 17:20 Uhr
BAUEN UND WOHNEN

Interview Tino Falkowski | Wie verändert die Digitalisierung die Baubranche?

Düsseldorf, 23.03.2018 17:20 Uhr (Frank Schulz)

Die Digi­ta­li­sie­rung hat die deut­sche Baubranche vergleichs­weise spät erreicht. Beson­ders Klein-und Mittel­ständler, die das Bauge­werbe prägen, haben noch erheb­li­chen Nach­hol­be­darf bei digi­taler Kunden­kom­mu­ni­ka­tion, Baudo­ku­men­ta­tion und tech­ni­schen IT-Anwen­dungen auf der Baustelle.

Informationen zum Autor:
Redaktion seit 2007 und Gründer von FMM-Magazin. Erfahrungen in der Finanzindustrie seit 2003 u.a. bei Gruner + Jahr (Financial Times Deutschland) und der OnVista Group.

Wir sprachen mit Tino Falkowski, Geschäftsführer von Hochbau Falkowski, einem Familienbetrieb aus dem brandenburgischen Luckau. HF Bau errichtet in und um Berlin Mehrfamilienhäuser, Villen oder Townhäuser, aber auch moderne Mikroapartments oder öffentliche Gebäude.

Herr Falkowski, manche Bauunternehmen besitzen 2018 noch keine Website. Seit wann sind Sie online und wie halten Sie es mit Social Media?

Wir sind seit etwa 7 Jahren online und haben gerade einen Relaunch unserer Website vorgenommen. Schließlich sollen unsere Kunden auch die Entwicklungen in unserem Unternehmen mitbekommen. Entsprechend präsentieren wir nun auch neue Bauprojekte, News aus dem Unternehmen und Fachartikel rund um das Bauen in Berlin regelmäßig auf unserer Website. Social Media gehört bisher noch nicht zu unseren Stärken. Sie finden uns zwar auf Xing, doch Facebook oder Twitter verlangen eine regelmäßige Pflege. Als mittelständisches Familienunternehmen liegt unser Fokus auf dem Bau und nicht in der PR. Doch mittelfristig werden wir auch diese Kanäle bespielen, denn die Zeit von Empfehlungen und Prospekten ist bei der Akquise auch im Baugewerbe vorbei.

Bei etwa 80 % der Bauunternehmen unterstützt die Website den Umsatz, 75 % halten Cloud-Lösungen für Effizienz steigernd. Welche digitalen Hilfsmittel halten Sie für erforderlich?

Ohne aktuelle Website geht es im deutschen Bauhandwerk heute nicht mehr. Wer nicht online ist, existiert für 90 % unserer Kunden nicht. Dabei geht es nicht nur um Auffindbarkeit, sondern auch um Reputation und konkrete Informationen. Cloud-Lösungen sind immer dann sinnvoll, wenn man sich selbst nicht mit zu viel IT-Lösungen belasten möchte und wenn es darum geht, aktuelle Firmendaten auch von außerhalb nutzen zu können. Für uns ist beides hilfreich. Hochbau Falkowski arbeitet mit Cloudservern bei der Datenverwaltung zusammen. Dies erspart uns Software für Datenbanken und Buchungssysteme. Bei unseren Bauprojekten arbeiten wir auch überwiegend digital. Das heißt, CAD-Zeichnungen und Berechnungen entstehen am Rechner. Das spart nicht nur Zeit bei Korrekturen, Bauanträgen oder der Kooperation mit anderen Gewerken auf der Baustelle. Die aktuellen Pläne sind per Cloud auch jederzeit verfügbar, Materialmengen lassen sich kurzfristig berechnen und der Baufortschritt ist schneller zu kontrollieren. Trotzdem müssen diese Pläne mit manuellen Papieren kompatibel bleiben, denn nicht jedes Unternehmen arbeitet wie wir und es gibt am Bau auch immer wieder Situationen, wo Bleistift und Reißbrett die bessere Wahl bleiben.

Bei der Baudokumentation haben Smartphone und Tablet auf vielen Baustellen Einzug gehalten. Was sind die Vorteile gegenüber traditionellen Bauplänen?

Tablets und Smartphones haben unsere Effizienz auf Baustellen erheblich gesteigert. Verschiedenste Planungsdetails sind jederzeit greifbar, Soll und Ist können schnell verglichen werden, Zeitpläne überprüft werden, Ausführungsdetails per Foto sofort an den richtigen Adressaten versandt werden. Die Kommunikation wurde beschleunigt, unnötige Wege und Rücksprachen auf Großbaustellen vermieden. Im Idealfall hat der Bauleiter den gesamten Baufortschritt stets im Blick und den verantwortlichen Handwerker sofort an der Leitung. Gleichzeitig kann er nötiges Material ordern, mit dem Architekten über Änderungen sprechen und der Buchhaltung den Krankenstand mitteilen.

Mittlerweile verlangen auch Kunden nach digitalem Building Information Modeling/BIM, um den Baufortschritt ihres Gebäudes am Rechner verfolgen zu können. Hat diese Transparenz Einfluss auf den Bauprozess?

Transparenz am Bau steigert die Qualität. Gleichzeitig erhöht die zeitnahe Dokumentation des Baufortschrittes auch den Druck, Deadlines einzuhalten und Planabweichungen zu erklären. Nicht immer ist es einfach, einem Laien zu erläutern, warum eine Wand noch nicht so aussieht wie auf dem Plan oder dass das Wetter das Gießen einer Betondecke verzögert hat. Andererseits stärkt das Building Information Modeling positiv unsere Kundenkontakte. Der Kunde sieht, wie viel Arbeit hinter einem Fundamentaufbau steht oder mit welcher Geschicklichkeit ein Dachstuhl konstruiert wird. Nicht wenigen unserer Mitarbeiter tut das Interesse des Kunden für Ihre Arbeit sogar gut und das Erklären hilft auch der eigenen Reflexion. Kurzfristig kostet das BIM vielleicht zusätzliche Erklärungszeit, langfristig steigt dadurch aber die Kundenzufriedenheit, weil der Kunde versteht, wie wir bauen und sich am Ende über das Ergebnis freut.

Kann digitale Bauplanung Stift und Papier komplett ersetzen und wie ändern sich dadurch die erforderlichen Qualifikationen?

Schon heute fristen Stift und Papier bei uns nur noch ein Nischendasein. Ein guter Bauzeichner oder Architekt sollte eine Teillösung selbst zeichnen können. Doch im Alltag beherrschen anspruchsvolle 3D-Programme, Matrizen und Datenbanken die Projektplanung. Sie sparen Zeit und damit Geld, erhöhen die Flexibilität und Kompatibilität der Planungen. Damit hat sich natürlich auch das Berufsbild der Bauzeichner gewandelt. Sie müssen sich nicht nur mit Baunormen und Materialien auskennen, sondern auch CAD-Profis sein. Schwieriger ist auf Baustellen mitunter, den ein oder anderen Handwerker an die digitalen Tablet-Pläne heranzuführen. Denn um stets ein aktuelles Lagebild zu erhalten, muss es auf der Baustelle ständig ergänzt werden. Aber auch dieser Lernprozess funktioniert bei Hochbau Falkowski in der Regel gut.

Erweitern die digitalen Möglichkeiten auch Ihre Angebotspalette und wie reagieren Ihre Beschäftigten auf die neuen Herausforderungen?

Das Angebot unserer Bauvorhaben hat sich durch die Digitalisierung nicht wesentlich verändert, wohl aber die Art ihrer Realisierung. Natürlich war das immer wieder mit Lernprozessen, Schulungen und auch kleinen Pannen verbunden. Doch unsere Mitarbeiter haben verstanden, dass ihr Job auch davon abhängt, technisch jeweils auf den aktuellen Stand zu sein. Mittlerweile wissen viele die Fortschritte dieser Digitalisierung auch zu schätzen, weil sie ihnen Wege und Arbeiten erspart. Eine neue Herausforderung ist nun, auch zunehmend mehr digitale Geräte und Werkzeuge auf unseren Baustellen einzusetzen. Ich bin zuversichtlich, dass uns auch dies gelingt.

In wieweit hat die Digitalisierung bisher Einzug in den Maschinenpark auf der Baustelle gefunden? Welche Bauprozesse kann IT erleichtern und effektivieren und wo bleibt traditionelle Manpower gefragt?

Wirklich neu ist die Digitalisierung in unserem Maschinenpark natürlich nicht. Ob Kran, Bagger oder Hochdruckpumpe, überall sind Chips und Steuergeräte verbaut, die Zeit, Mengen, Abstände, Temperaturen, Gewichte oder anderes messen und steuern. Die Verheißung der Digitalisierung liegt in der Präzision und der Prozessoptimierung. Baukomponenten können nach 3D-Modellen gegossen, gedruckt, gesägt oder geschliffen werden. Drohnen können Dachflächen begutachten oder Temperatur oder den Aushärtungsgrad von Betonflächen messen. Ausschachtungsarbeiten können automatisiert werden, manche Maschinen benötigen künftig kein Personal mehr. Nicht alle diese Möglichkeiten kommen für ein mittelständisches Familienunternehmen wie Hochbau Falkowski in Frage. Aufwand und Nutzen wird bei jeder unserer Anschaffungen genau abgewogen, nicht zuletzt brauchen wir Personal, dass die Digitaltechnik bedienen kann. Unsere Manpower kann diese Technik nur in den wenigsten Fällen ersetzen. Die Digitalisierung der Baustelle dient der Effizienzsteigerung. Wer einmal auf dem Bau gearbeitet hat, weiß, dass man auch hervorragende Maschinen nicht sich selbst überlassen kann, der Faktor Mensch bleibt bei Hochbau Falkowski entscheidend.

Foto Baufortschritt Fotolia zinkevych

Digitales Baugerät wird bisher überwiegend von großen Bauunternehmen eingesetzt. Von kleineren Betrieben ist gelegentlich zu hören, die Anschaffung lohne sich bei seltenem Gebrauch nicht. Stimmt das und wenn ja, deutet sich hier eine Zweiteilung der Baubranche in Hightech- und Handwerksbetriebe an?

Je spezialisierter ein digitales Gerät, desto geringer ist seine Einsatzbreite. Das kann bedeuten, dass wir uns ein spezielles digitales Schweißgerät nicht anschaffen, weil wir es zu selten bräuchten. Das heißt aber nicht, dass wir in unserem Stammbereich, dem Hoch- und Tiefbau, technisch hinter Großkonzernen zurückfallen. Wo uns digitales Gerät dauerhaft nutzt, werden wir es anschaffen. Im Übrigen ist es im Baugewerbe gute Tradition, für Arbeiten außerhalb unseres Portfolios Spezialgeräte auszuleihen oder andere Profis und Gewerke zu verpflichten. Eine Zweiteilung des Baugewerbes in Nerds und Handarbeiter befürchte ich hier nicht.

Können Sie Effizienzvorteile durch den Einsatz von Digitaltechnologien in Ihrem Betrieb real messen oder handelt es sich dabei lediglich um eine Modernisierung, die die Unternehmen mitmachen, um Up-to-Date zu bleiben?

Ja, die Effizienz ist messbar! Setzen Sie einen Handzeichner und einen CAD-Profi an das gleiche Projekt und stoppen Sie die Zeit. Oder organisieren Sie eine Baubesprechung mit und ohne Handy. Natürlich muss jeder in der Baubranche Up-to-Date bleiben, aber die Prozessoptimierung bringt auch messbare Vorteile. Wer heute noch alleine mit Schaufel und Schubkarre baut, ist nicht mehr konkurrenzfähig.

Planen Sie weitere Schritte zur Digitalisierung Ihres Unternehmens und was versprechen Sie sich davon?

Für unsere Präsentation werden wird demnächst ein Social Media Konzept entwickeln und im Maschinenpark prüfen wir ständig, welche neuen Technologien eine hilfreiche Ergänzung sein könnten. Zudem schicken wir immer öfter Mitarbeiter zu Schulungen, damit wir bei den bereits genutzten Technologien immer auf dem neuesten Stand sind.

Herr Falkowski, wir danken für Ihre interessanten Antworten.

(Bild: Baufortschritt am Tablet, Fotolia ©zinkevych)

 

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