Der Deutsche Bundesbank Präsident Jens Weidmann legt seine Finger in die Wunde der haushaltspolitisch Verantwortlichen und warnt vor Zögerlichkeit. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
19.07.2018 16:36 Uhr
GLOBALISIERUNG UND MÄRKTE

Wirtschaft und Politik | Notenbanken in der Zwickmühle

Düsseldorf, 19.07.2018 16:36 Uhr (Klaus Stopp)

Poli­ti­sche und wirt­schaft­liche Risiken nehmen zu, denn der Trump-Effekt zeigt Wirkung. Bundes­bank Präsi­dent Jens Weid­mann warnt vor einem bösen Erwa­chen in Europa.

Informationen zum Autor:
Klaus Stopp
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Hat er sich bereits seit Jahren als Mahner einer unabhängigen Europäischen Zentralbank (EZB) einen Ruf erarbeitet, so hat der Chef der Bundesbank nun noch eine zusätzliche Aufgabe übernommen. Jens Weidmann hat dem Bundeskabinett, das sich in der Vergangenheit nur allzu gerne auf die Notenbanker verlassen hat, verdeutlicht, dass es kurz vor zwölf ist und man nicht mehr lange die Chance hat, die Haushaltsprobleme anzugehen.

Trump legt keinen Wert auf die Errungenschaften seiner Vorgänger

Dies trifft insbesondere auf die altbekannten Krisenstaaten zu, aber eben auch auf Deutschland. Und somit sind die Politiker des Exportweltmeisters gut beraten, sich auf einen Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten vorzubereiten. Denn die Unberechenbarkeit des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, für den alte, bewährte Verhaltensmuster ohne Wert sind, ist Auslöser für Handelskonflikte und politische Risiken. Oder anders ausgedrückt: „Wer sich auf Donald Trump verlässt, ist verlassen!“ Er, der sich nicht mit den Errungenschaften seiner Amtsvorgänger identifiziert, ist zum Sinnbild einer neuen Weltordnung geworden.

Das Immunsystem muss gestärkt werden

Man hat inzwischen den Eindruck gewinnen können, dass Trump zuerst alle gemeinsamen Werke dem Erdboden gleichmacht, um sich anschließend dem Wiederaufbau zu widmen. Eine Vorgehensweise, die zwar zu einem „Baulöwen“ passt, aber eines US-Präsidenten unwürdig ist. Diese „Abrissbirne“ im Weißen Haus in Washington ist nur einer der Gründe, weshalb Jens Weidmann die Finger in die Wunden legt und zu bedenken gibt, dass beim nächsten wirtschaftlichen Abschwung in der Eurozone der Handlungsspielraum der EZB nahezu null sein wird. Es ist also notwendiger denn je, dass die Finanzpolitik die Voraussetzungen dafür schafft, das Immunsystem innerhalb der Eurozone zu stärken, um drohende Krisen abwenden zu können. Wie groß Weidmann die Gefahr einschätzt, wird nicht zuletzt daraus ersichtlich, dass Mitte Juni seitens der Deutschen Bundesbank die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,5% auf 2% gesenkt wurde. Denn die Liste der möglichen Ursachen ist lang und beinhaltet unter anderem auch mit dem Brexit einen weiteren unkalkulierbaren Faktor.

Gefahr des bösen Erwachens wächst mit jedem Tag des Zögerns

Es ist also an der Zeit, sich in Europa einerseits als Gemeinschaft zu präsentieren und gleichzeitig zu erkennen, dass Haushaltsprobleme jetzt in Eigenregie gelöst werden müssen und nicht den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden dürfen. Man kann also nur hoffen, dass Jens Weidmann dies unseren Kabinettsmitgliedern verdeutlichen und damit die Basis für ein europaweites Umdenken schaffen konnte. Ob allerdings die Staatsregierungen zu einem entsprechenden Agieren bereit sind, wird die Zukunft zeigen. Jedoch kann man heute schon prognostizieren, dass mit jedem Tag des Zögerns und Verweigerns der notwendigen Eingriffe die Gefahr eines bösen Erwachens in Europa dramatisch ansteigt. Doch niemand vermag vorherzusagen, ob diese Sorglosigkeit noch Jahre oder sogar Jahrzehnte funktionieren wird. Man wird es feststellen. Allerdings wird es für Korrekturen dann zu spät sein!

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