Köln, 21.04.2008 16:50 Uhr (redaktion)
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht in seiner Frühjahrsprognose davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,7 Prozent und 2009 noch um 1,4 Prozent wächst.
Dass die Wirtschaft ihre Dynamik nicht vollständig einbüßt, macht auch die aktuelle IW-Konjunkturumfrage deutlich, an der mehr als 2.000 Unternehmen in West- und Ostdeutschland teilgenommen haben. Danach gehen 45 Prozent der deutschen Firmen für 2008 von einer steigenden Produktionsleistung aus. Nur 12 Prozent rechnen mit einem sinkenden Output.
Hauptgrund für das geringere konjunkturelle Tempo sind die verschlechterten globalen Rahmenbedingungen – von den hohen Energie- und Rohstoffpreisen bis hin zur Immobilien- und Finanzmarktkrise. Vor diesem Hintergrund setzen zwar weiterhin 36 Prozent der befragten Betriebe auf ein wachsendes Auslandsgeschäft, lediglich 10 Prozent befürchten ein Minus. Mit einem realen Exportzuwachs von 4,2 Prozent in diesem und 3,5 Prozent im kommenden Jahr kann der Außenhandel der deutschen Konjunktur aber keinen rechten Schub mehr geben. Immerhin wollen noch 37 Prozent der Unternehmen im laufenden Jahr mehr investieren als 2007. Nur 18 Prozent meinen, ihr entsprechendes Budget kürzen zu müssen.
Der Weg des Aufschwungs wird immer steiniger: So beschränken die hohen Energie- und Rohstoffpreise das Wachstum vieler Volkswirtschaften. Die Immobilien- und Finanzmarktkrise bedeutet ebenfalls ein Konjunkturrisiko. Und die schwächelnde US-Wirtschaft schmälert zusammen mit dem niedrigen Dollarkurs für viele Exporteure nicht nur die Absatzchancen in den USA selbst, sondern auch in anderen Ländern. Insgesamt dürfte der Welthandel in diesem Jahr lediglich um 4 Prozent und 2009 um 5 Prozent expandieren. Dennoch wird die globale Konjunktur nur maßvoll gebremst, konnten viele Regionen – wie Asien, Ost- und Westeuropa – in den vergangenen Jahren doch den Aufschwung stärker auf eigene Füße stellen.
Vor diesem Hintergrund erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in seiner Frühjahrsprognose – wie bereits im vorigen Herbst – zwar für die Bundesrepublik ein geringeres Wachstumstempo als 2007, schließt eine Rezession aber derzeit aus
Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2008 voraussichtlich um 1,7 Prozent zulegen, für das kommende Jahr kann noch mit einem Plus von 1,4 Prozent gerechnet werden.
Dass die wirtschaftliche Dynamik leicht nachlässt, macht auch die aktuelle IW-Konjunkturumfrage deutlich, an der im April mehr als 2.000 Unternehmen in West- und Ostdeutschland teilgenommen haben. Im Einzelnen liefern Prognose und Umfrage folgende Ergebnisse:
Produktion. Derzeit beurteilen 14 Prozent der Firmen ihre Geschäftslage schlechter als vor einem Jahr, 42 Prozent sprechen von einer Verbesserung. Vor allem in der Industrie ist die Lage sehr gut – 59 Prozent der Investitionsgüterhersteller berichten von einem Aufwärtstrend, während nur 9 Prozent ihre Situation für ungünstiger halten als im Frühjahr 2007. Auch hinsichtlich der näheren Zukunft herrscht Optimismus (Grafik):
Für 2008 gehen 45 Prozent der deutschen Unternehmen von einer höheren Produktionsleistung als 2007 aus, lediglich 12 Prozent erwarten einen sinkenden Output.
Damit hat sich an der positiven Einstellung seit der IW-Umfrage vom Herbst 2007 kaum etwas verändert. Allerdings haben sich die Perspektiven in Ostdeutschland verbessert – vor allem die dortigen Grundstoff- und Konsumgüterproduzenten sowie die Dienstleister zeigen sich zuversichtlicher. In Westdeutschland ist die Euphorie dagegen nicht mehr ganz so groß. Damit liegen die Salden zwischen positiven und negativen Erwartungen in Ost und West derzeit so nah beieinander wie seit dem Frühjahr 2003 nicht mehr (Grafik).
Außenhandel. Die deutschen Unternehmen setzen weiterhin überwiegend auf ein wachsendes Auslandsgeschäft. Allerdings sind mit 36 Prozent etwas weniger Betriebe optimistisch in Sachen Exporte als im vergangenen Herbst – damals hielten 38 Prozent den Daumen hoch. Zugleich ist der Anteil jener, die ein Minus bei den Ausfuhren befürchten, von 6 auf 10 Prozent gestiegen. Zwar bleiben die Zeiten für die Industrie rosig – so rechnen 56 Prozent der Hersteller von Investitionsgütern für 2008 mit einem Exportanstieg, nur 9 Prozent sind skeptisch. Das IW Köln kann dennoch vorerst keine großen Handelssprünge mehr in Aussicht stellen:
Im laufenden Jahr steigen die realen Exporte um 4,2 Prozent, 2009 ist nur eine Zunahme um 3,5 Prozent drin.
Damit kann der Außenhandel der deutschen Konjunktur keinen Schub geben, zumal die Ausfuhren schwächer wachsen als der Welthandel insgesamt. Dies liegt zum einen am aufgewerteten Euro sowie den wieder höheren Lohnabschlüssen, die die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe beeinträchtigen. Zum anderen haben manche Firmen zu wenig Kapazitäten und Fachkräfte, um zusätzliche Nachfrage aus dem In- und Ausland zu bedienen.
Investitionen. Etwa 37 Prozent der Unternehmen wollen 2008 mehr investieren als im Vorjahr. Lediglich 18 Prozent meinen, ihr entsprechendes Budget kürzen zu müssen. Abgekühlt hat sich das Investitionsklima zudem nur im Westen, die ostdeutschen Betriebe sind dagegen stärker bereit als vor einigen Monaten, mehr Geld in neue Maschinen zu stecken. Daher ist bis auf weiteres nicht mit einem Investitionseinbruch in Deutschland zu rechnen:
In realer Rechnung dürften die Ausrüstungsinvestitionen 2008 ihr Vorjahresniveau um 3,8 Prozent übersteigen. Für 2009 zeichnet sich ein Plus von 3 Prozent ab.
Ungünstiger sieht es bei den Bauinvestitionen aus – mehr als ein Zuwachs von 0,5 Prozent in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr ist unwahrscheinlich.
Arbeitsmarkt. Obwohl der Aufschwung an Kraft verliert, beabsichtigt im laufenden Jahr etwa ein Drittel der Unternehmen, zusätzliches Personal einzustellen. Nur ein Sechstel hält eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl für erforderlich. Diese Relation hat sich seit dem Herbst 2007 kaum verschlechtert – und auch sonst sieht es gut aus:
Die Zahl der Erwerbstätigen wird 2008 im Schnitt um fast 300.000 über dem Vorjahreswert liegen und im kommenden Jahr immerhin nochmals um 120.000 auf 40,15 Millionen klettern.
Gleichzeitig schrumpft das Heer der registrierten Jobsucher – im Mittel des Jahres 2009 wohl bis auf 3,3 Millionen –, sodass die Arbeitslosenquote dann auf 7,6 Prozent sinkt.
Privater Konsum. Das Beschäftigungswachstum und die daraus entstehenden zusätzlichen Einkommen dürften in diesem Jahr stark genug sein, um dem privaten Verbrauch den lang ersehnten Schwung zu verleihen. Zwar macht den Haushalten weiterhin die Inflation zu schaffen, die erst 2009 wieder knapp unter die 2-Prozent-Marke sinken dürfte. Trotzdem sollte genug übrig bleiben, um den privaten Konsum 2008 preisbereinigt um 1,4 Prozent anzukurbeln. Aufgrund der sich abschwächenden Impulse vom Arbeitsmarkt lässt sich für 2009 allerdings nur noch ein Zuwachs von 1 Prozent prognostizieren.
Lesen sie zum Thema auch die Übersicht der Industrieverbände
» Zur Startseite von Finanzen Markt & Meinungen