Die Grundstimmung sei robust, sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann am Montag auf der Hannover Messe. Ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent in diesem Jahr bleibe erreichbar. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
21.04.2008 18:27 Uhr
WIRTSCHAFT UND KONJUNKTUR

Industrieverbände: Deutsche Industrie fühlt sich trotz Finanzkrise stark

Hannover, 21.04.2008 18:27 Uhr (redaktion)

Die Grund­stim­mung sei robust, sagte BDI-Präsi­dent Jürgen Thumann am Montag auf der Hannover Messe. Ein Wirt­schafts­wachstum von zwei Prozent in diesem Jahr bleibe erreichbar.

Einer Umfrage zufolge erwartet die Hälfte der Unternehmen in näherer Zukunft keinen Konjunktureinbruch. Auch die Bundesregierung hält, wie Reuters nach einer Expertenrunde aus mehreren Quellen erfuhr, an ihrer Wachstumsschätzung für 2008 von 1,7 Prozent fest. Für nächstes Jahr rechne sie aber nur noch mit plus 1,2 Prozent. Sorge äußerten Regierung und Bundesbank über die hohe Inflation, die den Privatkonsum dämpft.

Mit ihrer Erwartung von zwei Prozent Wachstum in diesem Jahr ist der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) etwas optimistischer als die Forschungsinstitute und die Regierung. Die Institute hatten in ihrem Frühjahrsgutachten 1,8 Prozent vorhergesagt. Die Regierung will den Kreisen zufolge knapp darunter bleiben. Thumann sagte zur Begründung: "Aufträge und Produktion der Industrie befinden sich auf hohem Niveau. Auch vom Außenhandel gibt es erfreuliche Nachrichten - trotz des starken Euros." So sei die Bereitschaft der Industrie zu Investitionen anhaltend hoch, unterstrich er.

Der Ausblick wird von einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untermauert. IW-Direktor Michael Hüther sagte, fast zwei Drittel der optimistisch gestimmten Unternehmen begründeten ihre Zuversicht mit der Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens auf dem Weltmarkt. Dagegen geht das Vertrauen der 2000 befragten Firmen in die Weltwirtschaft deutlich zurück.

Das IW rechnet dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,7 und 2009 von 1,4 Prozent. Damit lässt das Tempo nach, der Aufschwung bleibt aber intakt. Dem IW zufolge spiegelt sich das auch in den Arbeitsmarktvorhersagen wider. Ein Drittel der Unternehmen will noch in diesem Jahr mehr Personal einstellen, nur 16 Prozent planen einen Arbeitsplatzabbau. Hüther zufolge dürfte die Arbeitslosigkeit 2008 um fast 390.000 und 2009 weiter um 90.000 auf 3,3 Millionen Menschen im Jahresschnitt zurückgehen: Das wäre eine Quote von 7,6 Prozent.

Als besonders erfreulich bezeichnete Hüther, dass die Industrie im Osten mit der Entwicklung Schritt halte. Bei den Beschäftigungserwartungen überholt sie den Westen sogar.

Ein Schwachpunkt in den Konjunkturerwartungen bleibt jedoch der private Konsum, der unter den steigenden Preisen für Energie und Nahrungsmittel leidet. Das IW erwartet, dass die zusätzlichen Arbeitsplätze und damit Einkommen in diesem Jahr ihren Effekt auf den Konsum voll entfalten können. Andere Experten bleiben skeptisch. So schrieb das Finanzministerium in seinem Monatsbericht, das kräftige Preisplus bei Erzeugern und Großhändlern habe das Risiko für einen weiteren deutlichen Anstieg der Verbraucherpreise erhöht. Dabei seien eigentlich die Bedingungen für ein Anziehen des privaten Konsums angesichts besserer Beschäftigung und steigender Löhne günstig.

Insgesamt bewertete das Ministerium die konjunkturelle Verfassung aber positiv. Das Wachstum im ersten Quartal werde wohl besser ausfallen als erwartet, dürfte sich aber im weiteren Jahr verlangsamen. Motor der Wirtschaftsentwicklung war zu Jahresanfang nach Analyse der Bundesbank ein weiteres Mal die Industrie. Auch das Baugewerbe dürfte nach dem schwachen Vorjahr Boden gutgemacht haben. Insgesamt hätten die Unternehmen ihre Investitionen beträchtlich ausgeweitet. Nach IW-Berechnungen werden die Investitionen 2009 um 40 Prozent über dem Niveau des Jahres 2003 liegen.

Der Bundesbank zufolge führt die Investitionsnachfrage aber auch zu einem kräftigen Anstieg der Importe. Die werden von den Statistikern bei der BIP-Berechnung mit den Exporten verrechnet. Unter dem Strich dürfte damit vom Außenhandel kaum ein positiver Wachstumsimpuls gekommen sein. Das Wachstum sei damit im ersten Quartal voraussichtlich primär von der Inlandsnachfrage getragen worden, erwartet die Bundesbank. Zentralbankchef Axel Weber hatte den BIP-Zuwachs im ersten Vierteljahr jüngst auf rund 0,75 Prozent veranschlagt. Das wäre mehr als doppelt soviel wie im Endquartal 2007 mit lediglich 0,3 Prozent - trotz Finanzkrise.

Lesen sie zur Sache auch unser Finanzthema der Woche

(ThomsonReuters)

 

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