In einem Interview mit der \"Frankfurter Allgemeinen Zeitung\" deutete Appel nun erstmals an, das Institut in diesem Jahr angesichts der Finanzkrise möglicherweise nicht mehr zu veräußern. Die Kommunikationsgewerkschaft DPV stemmt sich gegen einen Verkauf der Postbank. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
09.04.2008 12:50 Uhr
BANKENMARKT IM FOKUS

Update: Postbank-Chef Frank Appel dämpft Übernahmefantasien zum Postbank-Verkauf

Bonn, 09.04.2008 12:50 Uhr (redaktion)

In einem Inter­view mit der "Frank­furter Allge­meinen Zeitung" deutete Appel nun erst­mals an, das Institut in diesem Jahr ange­sichts der Finanz­krise mögli­cher­weise nicht mehr zu veräu­ßern. Die Kommu­ni­ka­ti­ons­ge­werk­schaft DPV stemmt sich gegen einen Verkauf der Post­bank.

09.04.2008
Es gebe keine "nachvollziehbaren und vernünftigen Gründe" für einen Verkauf des Instituts durch den Mutterkonzern Deutsche Post, erklärte DPV-Chef Volker Geyer am Mittwoch in Bonn. Post und Postbank müssten "zusammenbleiben". Auch die deutlich größere und bei der Post stärker vertretene Gewerkschaft Verdi hat gegen einen Verkauf des Instituts Stellung bezogen. Die Arbeitnehmerbank im Post- Aufsichtsrat lehne einen Verkauf ab, hatte eine Verdi-Sprecherin im März gesagt.

Die Postbank dürfe bei einem Verkauf nicht in einer anderen Bank aufgehen, betonte Geyer. Dann drohten Konflikte mit dem Grundgesetz, erklärte er. Dies hatte auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Im Grundgesetz sei festgelegt, dass das Sondervermögen der ehemaligen Deutschen Bundespost in die Unternehmen Deutsche Post, Deutsche Telekom und Deutsche Postbank überführt werde, erklärte Geyer. Deshalb gebe es keinen Handlungsspielraum, die Postbank in einer anderen Bank aufgehen zu lassen.

Zudem beschäftige die Postbank über 7000 Bundesbeamte. Diese müssten in einem Post-Nachfolgeunternehmen beschäftigt werden, hieß es in einem Brief Geyers an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Eine Übertragung der "Dienstherreneigenschaft" sei nur durch eine Grundgesetzänderung möglich. "Die Beschäftigungspflicht kann nicht auf die aufkaufende Bank übergehen", warnte er.

08.04.2008
Appels Äußerungen dämpften an den Märkten Übernahmefantasien, die die Postbank-Aktie seit Jahresbeginn kräftig nach oben katapultiert haben. Am Dienstag verloren die Titel rund fünf Prozent.

"Es stimmt: wir brauchen Klarheit. Aber Klarheit kann auch bedeuten, auf absehbare Zeit nicht zu verkaufen", sagte der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post in dem Interview. Für einen Verkauf gebe es offenkundig bessere Zeiten als eine Finanzkrise, die praktisch alle potenziellen Interessenten in Mitleidenschaft gezogen habe. "Es gibt keinen Grund, sie in Hast und Eile oder gar unter Wert zu verkaufen", betonte Appel. Noch gebe es keine Entscheidungen zur Zukunft von Deutschlands größter Filialbank. Man befinde sich in der "Beratungsphase".

Appel bremst damit eines der zentralen Projekte seines Vorgängers Klaus Zumwinkel aus, der zu Jahresbeginn wegen eines Steuerhinterziehungs-Skandals als Post-Chef zurücktreten musste. Zumwinkel hatte nach monatelangen Spekulationen einen Verkauf der Postbank für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Er stand dabei nach früheren Angaben aus seinem Umfeld bereits im Kontakt mit der Bundesregierung, dem größten Einzelaktionär der Post. "Zumwinkel wollte sich in seinem letzten Jahr mit dem Verkauf der Bank einen guten Abgang verschaffen", sagte Dieter Hein, Bankenexperte vom Analystenhaus Fairesearch. Diesen Druck habe Appel nicht. Im Gegenteil: "Appel dürfte null Interesse daran haben, sich im ersten Jahr mit einem außerordentlichen Ertrag den Gewinn-Vergleich im Folgejahr zu verderben", betonte Hein.

Viele Branchenexperten rechnen nun frühestens 2009 mit einem Verkauf der Bank mit einem Börsenwert von rund zehn Milliarden Euro. Die Analysten von Merck Finck weisen aber auf Risiken einer Verschiebung hin. So könne eine reine Privatkundenbank bei einer Erholung der Kapitalmärkte und damit wieder höheren Gewinnen im Investmentbanking an Attraktivität verlieren, schrieben sie in einer Kurzstudie. Dass es letztlich zu einem Verkauf kommt, gilt unter Experten als weitgehend sicher. "Die Post braucht keine Bank für ihr Logistikgeschäft", sagte Hein.

Die beiden deutschen Marktführer Deutsche Bank und Commerzbank haben bereits Interesse an dem Institut mit seinen 15 Millionen Kunden angemeldet. Zuletzt wurde auch über eine Dreierfusion aus Dresdner Bank, Commerzbank und Postbank spekuliert. Appel äußerte sich hierzu aber zurückhaltend. Ein Bündnis müsse immer auch in der praktischen Zusammenarbeit bestehen können, sagte er. Auch ausländische Geldhäusern dürften den Finger heben, da sie sich so mit einem Schlag einen großen Teil des von Sparkassen und Genossenschaftsbanken dominierten deutschen Privatkundenmarktes sichern könnten. Hier erwarten einige Experten aber Widerspruch der Bundesregierung - allerdings läuft deren Vetorecht bei einem Verkauf der Postbank Ende dieses Jahres aus.

Der Verkauf der Post-Tochter sollte in diesem Jahr eigentlich den Auftakt zur viel geforderten Konsolidierung des zersplitterten deutschen Bankenmarktes bilden. Die Ratingagentur Moody's sieht in einem solchen Schritt aber keine echte Lösung für die Rentabilitäts-Probleme der Branche. "Das wäre nicht der Befreiungsschlag", sagte der Leiter des Frankfurter Moody's-Analystenteams, Johannes Wassenberg. Auch nach einem Zusammenschluss von zwei Großbanken gebe es noch zu viele andere Geldhäuser im Markt.

Lesen sie hier auch das Portrtait von Dr. Frank Appel

 

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