Von Daniel Schär, CFA (Weberbank). In den vergangenen Wochen erschütterten wieder einmal Hiobsbotschaften aus Amerika das internationale Finanzsystem. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
25.07.2008 08:57 Uhr
ANLAGESTRATEGIE

Weberbank - aktuelle Marktstrategie der Vermögensverwaltung

Berlin, 25.07.2008 08:57 Uhr (redaktion)

Von Daniel Schär, CFA (Weber­bank). In den vergan­genen Wochen erschüt­terten wieder einmal Hiobs­bot­schaften aus Amerika das inter­na­tio­nale Finanz­system.

Der Zusammenbruch der US-Hypotheken- und Bausparbank IndyMac nährte Befürchtungen, dass die beiden größten amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac ein ähnliches Schicksal erleiden könnten. Mit 5.200 Mrd. $ an Verbindlichkeiten wäre eine Zahlungsunfähigkeit der Super-Gau für die ohnehin angeschlagenen Finanzmärkte. Dementsprechend schnell reagierte die amerikanische Regierung mit einem Rettungspaket zur Stützung der Institute. Die Kosten belaufen sich nach vorläufigen Schätzungen auf 25 Mrd. $ und werden wohl vom Steuerzahler getragen werden müssen.

Die aktuelle Situation ähnelt sehr stark der US-Sparkassenkrise in den 80er Jahren, in der über 1.000 Sparkassen zusammenbrachen und nur das Eingreifen des Staates einen Kollaps des Finanzsystems verhindern konnte. Damals belasteten die Folgen der Krise noch mehrere Jahre die Konjunkturentwicklung der USA, und auch heute ist davon auszugehen, dass es längere Zeit dauern wird, ehe man sich durch den kompletten Problemberg gearbeitet hat. Wir rechnen deswegen nicht mit einer schnellen Konjunkturerholung in den nächsten Monaten, sondern vielmehr mit einer langsamen und graduellen Verbesserung.

Der Rentenmarkt wurde seiner Rolle als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten nicht gerecht. Höhere Inflationszahlen ließen die Marktteilnehmer einen Renditeaufschlag einpreisen, und die Kurse der Anleihen verloren dem entsprechend. Der deutsche Rentenmarkt testete seine Jahrestiefststände erneut aus. Zunehmend ist eine Art Käuferstreik zu beobachten, da Anleger mit festverzinslichen Papieren auch in diesem Jahr wieder schlechter lagen als mit einer Geldmarktanlage. Historisch waren jedoch Zeiten konjunktureller Schwäche und rückläufiger Frühindikatoren positiv für den Rentenmarkt. Dieser Umstand lässt uns auf eine Bodenbildung hoffen und bietet Einstiegsmöglichkeiten für mutige Anleger. Bei Pfandbriefen kann man sich immerhin wieder Renditen von über 5% für einen mittleren oder längeren Anlagehorizont sichern.

Die schlechten Nachrichten aus Amerika sorgten in den vergangenen Wochen für neue Jahrestiefststände an den Aktienmärkten. Der Rückgang des Ölpreises und das schnelle Eingreifen der US-Regierung konnten jedoch vorerst Schlimmeres verhindern. Nach dem starken Ausverkauf waren die Aktien reif für eine kurzfristige technische Erholung. Jedoch mutet die Entwicklung auf Einzeltitelbasis paradox an: Rekordverluste bei diversen Finanzinstituten werden weltweit mit deutlichen Kursgewinnen gefeiert, da die Ergebnisse leicht besser sind als von Analysten erwartet. Rekordgewinne hingegen werden, wie bei Apple in dieser Woche, mit Kursverlusten abgestraft, weil das Unternehmen eine vorsichtige Geschäftsprognosepolitik betreibt. Wir sehen die aktuelle Kursbewegung aus diesen Gründen auf tönernen Füßen und halten die Kurserholung nicht für nachhaltig. Zu groß sind die derzeitigen Belastungsfaktoren, als das wir schon ein Ende der schwierigen Börsenphase ausrufen möchten. Aktieninvestoren sollten die Gewinnentwicklung der Unternehmen aktuell genau im Auge behalten, da hier neues Ungemach auch außerhalb des Finanzbereichs drohen könnte. Wir bevorzugen weiter defensive Anlagen in Pharmawerten, Versorgern oder Telekommunikationstiteln. Eine deutliche Kassehaltung ist unserer Meinung nach vorerst weiter angeraten.

Der US-Dollar bewegt sich zum Euro nun schon seit Februar in dem Seitwärtsband zwischen 1,53 und 1,60 USD/EUR. Zuletzt testeten wir erneut die Marke um 1,60 USD/EUR. Die Ursache liegt weiter vor allem in den Leitzinserwartungen der Investoren beiderseits des Atlantiks. Eine Trendumkehr zu Gunsten des US-Dollars ist derzeit jedoch noch nicht auszumachen. Die fundamentalen Faktoren sprechen weiter für die europäische Einheitswährung. Der japanische Yen markierte ebenfalls neue Mehrjahrestiefststände gegenüber dem Euro. Auch hier ist in nächster Zeit nicht mit einem Ende der Yen- Schwäche zu rechnen.

Rohstoffe und insbesondere Öl verzeichneten in den letzten Tagen empfindliche Kursrückgänge. Die Angst der Marktteilnehmer vor einem Nachfragerückgang aufgrund der eingetrübten Konjunkturaussichten war einer der Auslöser für diese Entwicklung. Die Korrektur erachten wir als lange überfällig, da der Ölpreis fast ohne Pause von 100 $ im März auf die magische 150 $ gestiegen ist. Rückschläge bis auf ca. 120 $ halten wir kurzfristig für möglich, mittel- bis langfristig sehen wir den Ölpreis jedoch gut fundamental gestützt.

Unsere Anregungen stellen Analysen der aktuellen Marktsituation und der aufgeführten Wertpapiere dar, die wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen haben. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen und das Eintreffen der dargestellten Prognosen keine Haftung übernehmen.

 

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