Mit dem Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM) richten die Eurostaaten ab Juli 2012 einen dauerhaften institutionellen Schutz- und Nothilfemechanismus ein. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
26.09.2013 15:27 Uhr
WIRTSCHAFT UND WÄHRUNG

Klaus Regling: Chef der Rettungspakete EFSF im Interview

Brüssel/Straßburg, 26.09.2013 15:27 Uhr (EU Redaktionsteam)

Angeb­lich stehen einige Euro-Staaten wieder vor einer Abwer­tung ihrer Bonität. Die Einschät­zung des Direk­tors des Euro­päi­schen Stabi­li­täts­me­cha­nismus, Klaus Regling, seine Behörde orga­ni­siert die Rettungs­pa­kete für Staaten wie Grie­chen­land und Spanien, zur Lage in Europa ist - ver­halten opti­mis­tisch.

Kreditratingagenturen denken erneut über die Abwertung der Bonität einiger Euro-Staaten nach. Wird sich die Eurokrise wieder verschärfen?

"Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben in letzter Zeit positive Signale in der Eurozone gesehen. Und die Kreditratingagenturen werten nicht nur ab: ihre Prognose für Irland wurde erst vor kurzem hochgestuft. Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die Eurozone zum ersten Mal seit 1,5 Jahren wieder gewachsen. Auch ist die Arbeitslosigkeit in den Ländern mit EFSF- und ESM-Programmen leicht zurückgegangen.

Die Zahlen bestätigen unsere Reaktion auf die Krise. Das Bereitstellen von Krediten für Staaten, die dem Druck der Finanzmärkte ausgesetzt sind, zeigt Wirkung. Aber es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Krise noch nicht überwunden ist. Der beste Weg, um künftige Risiken zu minimieren, ist auf Kurs zu bleiben.

Auf der nationalen Ebene heißt das, die Konsolidierung muss weitergehen. Und in der Eurozone müssen alle Staaten den neuen Regeln zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik gerecht werden. Auf EU-Ebene sollten schließlich die verschiedenen Bestandteile der Bankenunion weiterentwickelt werden."

Griechenland war in den letzten Jahren im Rampenlicht. Braucht das Land nun ein drittes Rettungspaket? Warum tut sich das Land so schwer?

"Es ist zu früh, um sagen zu können, ob ein drittes Rettungspaket notwendig ist. Griechenland ist dabei, die Ungleichgewichte zu korrigieren, die diese Krise ausgelöst haben. Betrachtet man die schwierige Ausgangslage, muss man sagen, dass Griechenland viel erreicht hat.

In den vergangenen drei Jahren hat das Land die bedeutendste finanzielle Konsolidierung vollzogen, die es je gab. Lässt man die Zinszahlungen für die Schulden des Landes außer Acht, dann erzielt das Land heute schon einen Haushaltsüberschuss. Die Wettbewerbsfähigkeit hat sich verbessert und viele Strukturreformen wurden umgesetzt. Man muss jedoch eingestehen, dass es noch viel zu tun gibt."

Viele Menschen mussten Gehaltskürzungen hinnehmen, Sozialleistungen wurden gestrichen und doch scheint der Aufschwung nicht in Sicht. Brauchen wir eine Alternative zur Sparpolitik?

"Mir ist bewusst, dass die Lage in Staaten mit Sparauflagen für einen Großteil der Bevölkerung sehr schmerzhaft ist. Gehälter und Pensionen wurden gekürzt und viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren.

Aber ich denke, es ist wichtig zu zeigen, dass es auf Dauer keine andere Alternative gibt, die nicht noch mehr Leid über die Menschen gebracht hätte.

Mit den Krediten von EFSF und ESM können Staaten, die zeitweise keinen Zugang zu den Anleihemärkten haben, sich für eine Weile zu günstigen Konditionen finanzieren. Sie brauchen diese Zeit, um ihre Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen und das Vertrauen der Investoren wieder zu erlangen. Die Erfahrung des Internationalen Währungsfonds in Südkorea, Brasilien und der Türkei zeigt, dass diese Strategie funktioniert."

(Quelle: Europäisches Parlament)

 

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