Alternativen zum Bankkredit ohne Bittsteller-Attitüde. Der Peer-to-Peer-Kredit. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
01.11.2011 17:44 Uhr
PEER-TO-PEER-KREDIT IM MITTELSTAND

Alternative Unternehmensfinanzierung über festverzinsliche Anleihen im kommen

Hannover, 01.11.2011 17:44 Uhr (Gastautor)

Der Mittel­stand als Bitt­steller bei den Banken. So stellen sich viele das Bild bei bei der Kapi­tal­be­schaf­fung für Unter­nehmen vor. Dabei gibt es noch andere Wege der Finan­zie­rung, und zwar ohne Bitt­stel­ler-Atti­tüde. Der Peer-to-Peer-Kredit.

Wer derzeit von Banken oder Sparkassen ein Darlehen möchte, muss reich sein. Und zwar so reich, dass ein Kredit eigentlich gar nicht nötig wäre.

Ihr Unternehmen läuft gut, dennoch haben Sie aktuellen Kapitalbedarf? Beispielsweise zur Finanzierung neuer Filialen oder neuer Maschinen? In solchen Fällen führt der normale Weg eigentlich zur Hausbank. Aber genau den scheuen immer mehr Unternehmer. Die krisengeschüttelten Finanzinstitute lassen schließlich immer häufiger auch solvente Kunden im Regen stehen – es sei denn, das Ausfallrisiko eines Darlehens geht gegen Null. Aber selbst dann sind zweistellige Zinssätze eher die Regel als die Ausnahme. Das dachten sich auch die Inhaber der „Wiener Feinbäckerei Heberer“ aus dem hessischen Mühlheim. Statt mit Bittsteller-Attitüde Banker von der geplanten, rund zwölf Millionen Euro teuren Expansion in wachstumsträchtige Märkte zu überzeugen, nahmen sie die Finanzierung selber in die Hand …

Finanzinstitute bleiben außen vor
Alexander und Georg Heberer, mit über 350 Filialen Betreiber einer der erfolgreichsten deutschen Bäckereiketten, nutzen zur Kapitalbeschaffung ein System, das gerade heutzutage allen Beteiligten Vorteile bringt: Den Peer-to-Peer-Kredit. Ursprünglich nur als Geldbeschaffungsmaßnahme unter Privatleuten („peers“) mithilfe spezialisierter Online-Vermittlungsportale entwickelt, lässt sich das Prinzip auch für die Unternehmensfinanzierung einsetzen. Wichtigster Unterschied zum klassischen Darlehen: Banken und Sparkassen bleiben grundsätzlich außen vor. So können denn auch die Heberer-Brüder ihren privaten Geldgebern stolze sieben Prozent Zinsen pro Jahr zahlen. Nachteil dieser Vorgehensweise: Wird einem Unternehmen Geld geliehen, muss dieses zuvor einen Wertpapierprospekt erstellt haben, der den gesetzlichen Anforderungen genügt. Und das ist mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.

Treue Kunden geben schneller Geld
Die Unternehmensfinanzierung über festverzinsliche Anleihen ist nicht neu, ungewöhnlich ist vielmehr die Art und Weise, wie diese Papiere im Rahmen eines Peer-to-Peer-Kredits an den Mann oder die Frau gebracht werden. Die Investoren-Zielgruppe rekrutiert sich nämlich nahezu ausschließlich aus Kunden des Unternehmens. Aus gutem Grund: „Hier gilt das Grundgesetz der Finanzwirtschaft ganz besonders – das Vertrauen“, erklärt Dr. Sebastian Dominic von Buch von der Unternehmensberatung Becker von Buch in Hannover. „Beim Peer-to-Peer-Kredit auf Privatebene leiht man sein Geld schließlich auch nur demjenigen, von dessen Seriosität man überzeugt ist.“ Zufriedene Kunden seien denn auch die am schnellsten zu überzeugenden Investoren. „Man sollte beim Finanzierungsangebot allerdings ein paar Regeln beherzigen“, so von Buch weiter. Denn sonst könne der Schuss quasi nach hinten losgehen. Hier seine Empfehlungen:

  • Unbedingt herausstellen, dass die Gelder ausschließlich für gewinnträchtige Investitionen gedacht sind und nicht etwa zum Abbau von Verbindlichkeiten.
  • Genau erklären, wozu das Kapital in welchem Zeitraum benötigt wird.
  • Zinssätze von 6 bis 8 Prozent pro Jahr anbieten.
  • Das Angebot eindeutig an bestehende oder zumindest potenzielle Kunden richten, und zwar ausdrücklich als Chance, von der positiven Entwicklung des Unternehmens künftig zu profitieren.
  • Mindest-Investitionen nicht zu hoch ansetzen, im Consumer-Bereich zum Beispiel mit 1000, im Business-Bereich mit 10.000 Euro.
  • Überzeugend wirkt auch ein konkreter Anlass für die Emission der Wertpapiere, beispielsweise ein Firmenjubiläum, die Eröffnung einer großen Filiale oder der Start in ein neues, viel versprechendes Marktsegment.
Hintergrund zu Becker von Buch
Die Becker von Buch Unternehmensberatung GmbH ist eine klassische Unternehmensberatung, die sich auf die Belange kleiner und mittelständischer Unternehmen spezialisiert hat. Seit der Gründung durch den geschäftsführenden Gesellschafter Johannes Ullrich Becker von Buch im Jahr 1991 hat sich das Unternehmen von vier auf derzeit über 290 Mitarbeiter und Partner kontinuierlich erweitert. Somit zählt Becker von Buch heute zu den größten Unternehmensberatungen für kleine und mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

(Quelle: Becker von Buch: Dr. Sebastian Dominic von Buch)
(Foto: Paul-Georg Meister;pixelio.de)

 

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