Die norddeutschen Bundesländer wollen im Bereich der maritimen Wirtschaft stärker miteinander kooperieren. Die Zusammenarbeit soll sich nicht nur auf den Ausbau der Infrastruktur, sondern zunehmend auch auf Qualifikation und Forschung erstrecken. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
10.07.2008 11:27 Uhr
REGIONEN UND WIRTSCHAFT

Sonderthema Regionen - norddeutsche Bundesländer setzen auf Maritime Wirtschaft

Hannover, 10.07.2008 11:27 Uhr (redaktion)

Die nord­deut­schen Bundes­länder wollen im Bereich der mari­timen Wirt­schaft stärker mitein­ander koope­rieren. Die Zusam­men­ar­beit soll sich nicht nur auf den Ausbau der Infra­struktur, sondern zuneh­mend auch auf Quali­fi­ka­tion und Forschung erstrecken.

Diese Handlungsfelder haben die Teilnehmer der Loccumer Fachtagung „Maritime Wirtschaft: Chance und Aufgabe der Regionalentwicklung in Norddeutschland“ als vordringlichste Aufgaben von Politik und Wirtschaft benannt.

Die Maritime Wirtschaft erlebt derzeit weltweit einen rasanten Aufschwung, der Küstenraum rückt immer stärker von der Peripherie ins Zentrum der Wirtschaftsentwicklung. Davon zeugt nicht zuletzt der große Andrang von mehr als 100 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die am Montag und Dienstag dieser Woche der Einladung von NORD/LB, Niedersächsischem Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) und der Evangelischen Akademie nach Loccum gefolgt sind.

Der Boom habe nahezu alle maritimen Bereiche erfasst. Seit Anfang der 1990er Jahre habe sich die deutsche Handelsflotte fast verdoppelt, erläuterte Dr. Arno Brandt von der NORD/LB Regionalwirtschaft. Der Umschlag deutscher Seehäfen werde bis 2025 um durchschnittlich 4,6 Prozent jährlich wachsen. Seit 2003 würden auch die Beschäftigtenzahlen wieder anziehen. Insgesamt umfasse die maritime Wirtschaft in Norddeutschland ca. 4000 Betriebe mit rund 170 000 Beschäftigten. Obwohl einzelne Standorte zweifellos besonders profiliert sind, sei die Maritime Wirtschaft jedoch auch als Verbund zu betrachten. Eine effektive Förderpolitik müsse daher das gesamte Cluster in den Blick bekommen.

Zum Nadelöhr droht die Infrastruktur zu werden. So wächst der Containerumschlag mit mehr als zehn Prozent pro Jahr und wird selbst nach konservativen Schätzungen bis 2016 die derzeitigen Kapazitäten in den deutschen Häfen übersteigen. Prof. Dr. Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen wies zudem darauf hin, dass ein eindeutiger Trend zu immer größeren Containerschiffen mit einem Fassungsvermögen von über 10.000 (Standardcontainern) TEU zu beobachten ist.

Die Herausforderung liegt jedoch nicht nur (aber auch) darin, die deutschen Häfen für diese Schiffsgrößen erreichbar zu machen. Heinz Brandt vom Hafenbetreiber Eurogate veranschaulichte die Dimensionen anhand der neuen Maersk-Klasse. Der Transport einer einzigen Schiffsladung nur

auf der Straße würde eine LKW-Kolonne verursachen, die von Hamburg bis nach Oberstorf reiche. Die Bahn müsste dagegen 390 Züge von je 700 Metern Länge am Tag einsetzen. Aus- und Neubau von A1 und A22 sowie der Y-Trasse zwischen Hannover und Hamburg, bzw. Bremen müssten daher dringend angegangen werden, sind aber nicht kurzfristig umzusetzen. Die Hoffnungen ruhen hier auf einem „Modal split“, also einer Verteilung des Transportaufkommens auf die Verkehrsträger Bahn, Straße und Binnenschifffahrt. Dazu bedürfe es jedoch eines abgestimmten Vorgehens aller Beteiligten.

Ein mindestens ebenso gravierender Engpass besteht nach einhelliger Ansicht aller Fachleute derzeit in der Ausbildung qualifizierten Nachwuchses für die maritimen Branchen. Das betrifft einerseits die Kapazitäten der Fach- und Fachhochschulen aber auch die Rekrutierung des notwendigen Lehrpersonals. Verschärfend kommt hinzu, dass Ansehen und Beschäftigungsmöglichkeiten der maritimen Berufe derzeit weit auseinander klaffen. Ausgebildete Nautiker und Ingenieure werden in der maritimen Wirtschaft zur Zeit überall gesucht.

Die Maritime Wirtschaft muss daher viel stärker in Berufs- und Standortmarketing aber auch in die Aus- und Weiterbildung sowie in das Personal investieren, machten Referenten wie Paul Bloem von der Meyer-Werft in Papenburg und der Reeder Alfred Hartmann aus Leer deutlich. Diese Aufgabe wird eine Branche allein jedoch nicht leisten können. Ohnehin scheint die Zukunft der Maritimen Wirtschaft in Deutschland in einer stärkeren Vernetzung zu liegen. Vor allem die deutsche maritime Industrie sieht ihre Marktchancen nur in einer engen Verflechtung mit den Zulieferern, die teilweise intensiv in den Produktionsprozess eingebunden werden und mit den maritimen Forschungseinrichtungen gewahrt.

Das letzte Wort hatte am Dienstag die Politik. Andreas Richter von der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Arbeit, Dr. Heiner Heseler, Staatsrat bei Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen und Helmut Heyne vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zeigten sich entschlossen, die Potenziale der Maritimen Wirtschaft für die Küstenanrainer zu nutzen. Themen wie der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, das Vorhaben der Elbvertiefung aber auch die Gestaltung der maritimen Ausbildungslandschaft lassen sich ohnehin nur durch eine enge Kooperation der Küstenländer lösen.

Dabei zeigt sich, dass sich nicht nur Hamburg und Bremen auf die Maritime Wirtschaft fokussieren, auch das Automobilland Niedersachsen bewegt sich laut Heyne wirtschaftlich „zunehmend mehr an die Küste“. Daher hat Niedersachsen, wie zuvor auch schon Hamburg, die NORD/LB Regionalwirtschaft mit der Erstellung eines Gutachtens zur Maritimen Wirtschaft im Bundesland beauftragt.

Ansprechpartner: Dr. Arno Brandt, Leiter NORD/LB Regionalwirtschaft, Telefon (0511) 361-5104, E-Mail arno.brandt@nordlb.de

 

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