Kurz und knapp formuliert: Anleihen sind so genannte Forderungspapiere, durch die ihr Herausgeber, auch als Emittent bezeichnet, einen Kredit am Kapitalmarkt aufnimmt. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
09.11.2010 13:50 Uhr
MARKT FÜR ANLEIHEN

Finanzwissen: Was genau sind eigentlich Anleihen?

Alpnach/Schweiz, 09.11.2010 13:50 Uhr (Gastautor)

Kurz und knapp formu­liert: Anleihen sind so genannte Forde­rungs­pa­piere, durch die ihr Heraus­geber, auch als Emit­tent bezeichnet, einen Kredit am Kapi­tal­markt aufnimmt.

Die Kreditkonditionen - also Anleihebedingungen - sind dabei fest definiert. Unter die festgelegten Kreditkonditionen oder eben Anleihebedingungen fallen also z.B. die Verzinsung, die Laufzeit oder die Tilgung. Bei so genannten festverzinslichen Anleihen bleibt die Verzinsung während der gesamten Laufzeit konstant. Bei variabel verzinslichen Anleihen wird sie periodisch gemäß den Anleihebedingungen angepasst.

Am Ende der Laufzeit werden die Anleihen in der Regel zu 100 % zurückgezahlt. Während der Laufzeit kann es zu Kursschwankungen kommen, da sich das Wertpapier über den Kurs der jeweiligen Zinssituation am Markt anpasst. An der Börse werden Anleihen in Prozent gehandelt (daher auch: Prozentnotiz) = Man kauft nicht eine bestimmte Stückzahl einer Anleihe, sondern einen bestimmten Nominalbetrag und bezahlt ihren Kurs in Prozent.

Für den Emittent, den Herausgeber, ist die Begebung einer Anleihe eine Alternative zum normalen Bankkredit. Er hat hier den Vorteil, dass er Liquidität erhält, ohne zusätzliche Sicherheiten stellen zu müssen.

Der Käufer einer Anleihe hat folgende Ansprüche:

  • Recht auf Verzinsung in Höhe des Coupons (gemäß den Anleihebedingungen)
  • Recht auf Rückzahlung (in der Regel zu 100 %)
  • Vorrangige Rückzahlung gegenüber Aktionären im Insolvenzfall.
Der große Unterschied zu Aktien ist, dass der Käufer von Anleihen keine Stimm- oder Teilhaberrechte besitzt. Demgegenüber bieten Anleihen aber Sicherheit: Die meisten Anleihen sind von Ratingagenturen bewertet, wodurch die Bonität des Schuldners erfasst wird und das Risiko der Geldanlage eingeschätzt werden kann. Neben den regelmäßigen Zinseinnahmen erhält man am Ende der Laufzeit sein eingesetztes Kapital zurück - eine sehr gute Kalkulationsbasis für spätere Investitionsvorhaben.

Die Stichwörter Zinszahlung und Rendite
Die Zinszahlung erfolgt für die Zeit vom Kauf der Anleihe bis zu deren Rückzahlung, bzw. dem Verkauf der Anleihe. Der Zinsertrag errechnet sich aus dem jeweiligen Nennwert der Anleihe. Dem Besitzer der Anleihe steht für jeden Tag den er im Besitz der Anleihe ist - der in diesem Zusammenhang daher auch als Stückzinstag bezeichnet wird - der anteilige Zinsbetrag zu. Diesen Betrag bekommt der Besitzer beim Verkauf der Anleihe vor dem eigentlichen Zinstermin vom Käufer vergütet.

Diese Stückzinsregelung dient der Abrechnung der aufgelaufenen Zinsen zwischen Käufer und Verkäufer (zwischen den eigentlichen Zinsterminen). Zu welchem Intervall die Zinsen gezahlt werden, ist von Emission zu Emission verschieden. Bei längeren Laufzeiten erfolgt die Zinszahlung meist jährlich. Obacht: Erfolgt die Zahlung nicht jährlich, sollte die Zahlung von Zinseszinsen vereinbart werden.

Richtig: Chancen
Der Anleger hat bei Anleihen neben der Zinszahlung die Möglichkeit, durch Kursgewinne die Rendite zu steigern. Kauft er während der Laufzeit zu einem Kurs unter 100% und wartet bis zur Tilgung (Rückzahlung zu 100%), oder verkauft er während der Laufzeit zu einem höheren Kurs als dem Kaufkurs, so kann er die Differenz als Gewinn verbuchen.

Wichtig: Risiken
Bei der Auswahl der Anleihen muss die Bonität und das Geschäftsmodell des Schuldners beachtet werden. Bei ihrer Einschätzung helfen, wie oben bereits erwähnt, so genannte Ratings von Ratingagenturen, die eine allgemeine Aussage über die Kreditwürdigkeit des Emittenten treffen. Verschlechtert sich die Bonität eines Anleiheschuldners während der Laufzeit, fällt in der Regel der Kurs der Anleihe. Des Weiteren ist die Anleihe einem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt, das sich aus der Ungewissheit über die zukünftige Zinsentwicklung am Markt ergibt. Dieses so genannte Marktzinsniveau wird z.B. durch die Haushaltspolitik des Staates, die Politik der Notenbank oder die Entwicklung der Konjunktur beeinflusst. Da sich der Kurs der Anleihe dem aktuellen Marktzinsniveau anpasst, bedeuten fallende Zinsen in der Regel einen Anstieg der Anleihekurse. Aber: Wird die Anleihe am Ende ihrer Laufzeit zu ihrem Nominalbetrag zurückgezahlt, bestehen diese Risiken nur beim Verkauf der Anleihe während der Laufzeit.

Über den Autor:
Andreas Schmidt ist seit rund 20 Jahren aktiv und erfolgreich im europäischen Immobiliengeschäft tätig. Nach seiner mehr als 15-jährigen Karriere als Fonds- und Asset-Manager, vor allem in den Bereichen Entwicklung, Konstruktion und Platzierung nachhaltiger Geschäftsmodelle, ist er nunmehr einer der Köpfe im Verwaltungsrat des Schweizer Unternehmens Anlage und Kapital AG. www.aundk.ch

(Foto: Fotolia)

 

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