Hat das Säbelrasseln zwischen Norkorea und den USA Auswirkungen auf die Erholung der Emerging Markets? Ein Kommentar von Robert Halver. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
14.08.2017 12:52 Uhr
ANALYSE DER FINANZMÄRKTE

Robert Halver: Erholung der Emerging Markets und Sorgen um China?

Düsseldorf, 14.08.2017 12:52 Uhr (Robert Halver)

Ist die Erho­lung der Schwel­len­länder, man spricht bereits von Re-Emer­ging Markets, gefährdet? UND: Für Irri­ta­tionen sorgen zwischen­zeit­lich chine­si­sche Konjunk­tur­nach­richten.

Informationen zum Autor:
Halver Robert
Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. Bereits seit 2012 berichtet er auf FMM-Magazin.de über die Geschehnisse an den Börsen. Baader betreut an den Börsenplätzen Frankfurt, München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin u.a. den Handel mit Aktien, Anleihen, Derivaten und Fonds.

Durch die Dollar-Abwertung gegenüber den Währungen der Schwellenländer gerieten die Aktienmärkte der Schwellenländer im typischen Gegenlauf wieder in den Anlegerfokus. Zunächst verbilligt sich der Schuldendienst der Emerging Markets, in denen Kredite mehrheitlich auf US-Dollar-Basis aufgenommen werden. Zudem nimmt die Dollar-Schwäche der Kapitalflucht aus den Schwellenländern nach Amerika den Reiz. Im Gegenteil, über Währungsgewinne kommt es sogar zu spürbaren Kapitalzuflüssen mit Aktienkursgewinnen an den Aktienmärkten Asiens und Südamerikas. Mit Kursgewinnen von knapp 23 Prozent seit Jahresbeginn befindet sich der MSCI Emerging Markets Index im Bullenmarkt.

Robert Halver Chart Emerging Markets

Da sich Trends an den Devisenmärkten oft hartnäckig halten, dürfte die Unterstützung durch die US-Dollar-Schwäche noch anhalten. Diese Entwicklung begünstigen die abgeschwächten Zinserhöhungsphantasien der Fed. Die Finanzmärkte beziffern die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Leitzinserhöhung bis Jahresende mit deutlich unter 40 Prozent.

Signal eines gestärkten Vertrauens in die Schwellenländer ist ebenso die Erholung der zwischen 2014 und 2016 deutlich geschrumpften Devisenreserven. Der Druck, Buchgewinne auf ausländische Wertpapiere zu realisieren, um sie zur Stützung der Währung und damit der Binnenkonjunkturen einzusetzen, hat sich abgeschwächt.

Die abnehmende Risikoaversion gegenüber Schwellenländern zeigt sich nicht zuletzt in sinkenden bzw. verhaltenen Renditen für Staatsanleihen der Schwellenländer. Trotz latenter Regierungskrise sticht hier vor allem Brasilien positiv hervor.

Muss man sich um China Sorgen machen?

Für Irritationen sorgen zwischenzeitlich chinesische Konjunkturnachrichten. Chinas Exportstimmung zeigt sich in der Tat volatil. Auch das tatsächliche Exportwachstum gab zuletzt nach. Von einer spürbaren Exporteintrübung geht man in China jedoch nicht aus. Zum einen hat sich die Weltkonjunktur stabilisiert. Und zum anderen hat der US-Handelsprotektionismus an Drohpotenzial verloren, weil Trumps eigene republikanische Partei diesem kritisch gegenübersteht.

Wie in westlichen Industrieländern setzt im Übrigen auch China auf lockere Geldpolitik. Sie soll Probleme aus der Transformation vom Schwellen- zum Industrieland, der Immobilienblase und der Überschuldung von Unternehmen und Banken entschärfen. Und Peking dient sie als willkommener Finanzierer stattlicher Ausgabenprogramme.

Betrachtet man den ökonomischen Überraschungsindex der Citigroup für China - er misst positive bzw. negative Abweichungen der tatsächlich berichteten Konjunkturdaten von den zuvor getroffenen Analysteneinschätzungen - zeigt sich im Trend eine Stabilisierung, der auch mit dem privaten, staatlich nicht geschönten Einkaufsmanagerindex harmonisiert.

Das gilt im Übrigen auch für die Geldpolitik anderer großer Schwellenländer. Im Gegensatz zu Fed und EZB ist dort der Zinssenkungszyklus noch intakt und stützt Konjunktur und Aktienmärkte, ohne die Währung allerdings zu schwächen.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.

Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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