Allein bei der Körperschaftsteuer liefen bis Ende 2007 Verlustvorträge in Höhe von 568 Milliarden Euro auf. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
29.05.2013 10:59 Uhr
UNTERNEHMEN UND STEUERN

DIW: Deutsche Unternehmen zahlen zu wenig Steuern

Berlin, 29.05.2013 10:59 Uhr (Finanzredaktion)

Wenn das Deut­sche Institut für Wirt­schafts­for­schung (DIW Berlin) mit seinen Bere­chungen richtig liegt, dann fließen pro Jahr rund 90 Milli­arden Euro mehr Unter­neh­mens­ge­winne in das Brut­to­in­land­s­pro­dukt (BIP) ein, als tatsäch­lich versteuert werden.

Die Steuergestaltungsmöglichkeiten für die Unternehmen sind groß. So könnten etwa drohende Verluste steuerlich sofort über Rückstellungen geltend gemacht werden, Wertzuwächse müssten hingegen erst bei Realisierung versteuert werden. „Sollte die BIP-Schätzung stimmen, zahlen die deutschen Unternehmen im Durchschnitt nur etwa 21 Prozent Steuern auf ihre Gewinne und damit deutlich weniger, als vom Gesetzgeber vorgesehen“, erläutert DIW-Steuerexperte Stefan Bach.

„Wodurch dieser Unterschied zwischen den Unternehmensgewinnen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Steuerstatistik genau entsteht, lässt sich leider nicht klären, weil zu wenig Daten der Unternehmensbilanzen statistisch erfasst werden“, so der DIW-Wissenschaftler. Auffällig sei jedoch das hohe Niveau an steuerlichen Verlusten und Verlustvorträgen. „Dies deutet auf Steuerbefreiungen, Steuervergünstigungen oder Gestaltungsmöglichkeiten hin, die systematisch zu deutlich reduzierten Besteuerungsgrundlagen führen. Mit Schätzfehlern allein lässt sich eine so große Summe jedenfalls nicht erklären.“

Detail-Klärung
Im Jahr 2008 – für spätere Jahre sind noch keine Daten verfügbar – machten die Unternehmensteuern rund ein Fünftel des gesamten deutschen Steueraufkommens aus. Etwa 111 Milliarden Euro spülte die Besteuerung von Unternehmensgewinnen in die deutsche Staatskasse. Das entsprach etwa 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zählt man auch die Einnahmen aus der Dividendenbesteuerung hinzu, so lag das Unternehmensteueraufkommen bei 122 Milliarden Euro oder 4,9 Prozent des BIP. „Laut volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung, aus der unter anderem die Schätzung des Bruttoinlandsprodukts abgeleitet wird, hätte das Steueraufkommen aber noch deutlich höher sein müssen, denn die dort ausgewiesenen Unternehmensgewinne lagen 2008 um rund 90 Milliarden Euro über den in der Steuerstatistik ausgewiesenen Gewinnen deutscher Unternehmen“, so der DIW-Steuerexperte Bach.

Zwar können die Gewinngrößen nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Steuerbilanz aufgrund der Berechnungsmethoden in einzelnen Perioden erheblich voneinander abweichen, über längere Zeiträume müsste sich das aber ausgleichen. „Wir sind bei unseren Untersuchungen jedoch auf eine dauerhafte Besteuerungslücke gestoßen, die sich durch periodische Faktoren nicht erklären lässt. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Nutzung von Bilanzierungsspielräumen und Steuergestaltungen systematisch zugenommen hat.“

Die Steuergestaltungsmöglichkeiten für die Unternehmen seien weiterhin groß. So könnten etwa drohende Verluste steuerlich sofort über Rückstellungen geltend gemacht werden, Wertzuwächse müssten hingegen erst bei Realisierung versteuert werden. Dadurch entstünden in den Steuerbilanzen stille Reserven, die bei nur teilweiser Besteuerung von Veräußerungsgewinnen steuerschonend realisiert werden könnten.

Ausführliche Informationen auf den Webseiten des DIW.

(Quelle: DIW Berlin)

 

  • Steuern
  • Unternehmen
 
Artikel »   Drucken Versenden

 


Kommentar schreiben »



Kommentar:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an
      meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)

Bitte übertragen Sie die dargestellte Zeichenfolge in das rechte Feld:

* Bitte halten Sie sich an die Netikette und vermeiden persönliche Anschuldigungen, Beleidigungen und Ähnliches. Verbreiten Sie außerdem keine Unwahrheiten, Vermutungen, Gerüchte sowie rufschädigende oder firmeninterne Informationen. Beachten Sie die Rechte Anderer und urheberrechlich geschützter Quellen. Bei rechtlichen Verstößen haften Sie in vollem Umfang. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, Ihre IP-Adresse und Ihren Provider zu speichern. Mit dem Speichern Ihres Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regelungen einverstanden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

nach oben
LIVE Börsenindizes
Bereitgestellt von Investing.com
Facts und Figures
"Facts" berichtet kurz und bündig über aktuelle Themen aus dem Redaktionsticker. Weitere Push-Dienste bieten wir bei...

Economics - Global Highlights

Global - national - regional.
Durch die Kooperation mit dem englischen Wirtschafts-
magazin "The Economist“ erhalten FMM-Leser einen weitreichenden Einblick in das internationale Geschehen zu den Themen Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Wöchentliches Update interessanter Artikel...

Unternehmensnachrichten (ots-Dienst)

Von unserem Partner news aktuell
Print und Online-Specials der FMM-Redaktion
Krisen bieten Chancen und geben Neuorientierung. Den Blick nach vorne gerichtet, bieten Wirtschaft und Finanzmärkte immer wieder spannende Themen und interessante Trends. Beides wollen wir unseren Lesern in Form von Print/Online-Specials näher bringen.

Die aktuellen Themenpläne stehen ab sofort auf FMM zur Verfügung.
» Zur Übersicht aller Specials …
Prognosen und Trends
Veranstaltungshinweise
Europa News
 
Finanzen Markt & Meinungen - Das Praxismagazin für Finanzthemen
Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

Portalsystem 2025 © FSMedienberatung
Contentservice: Javascript Newsticker für Ihre Internetseite RSS Feed XML 0.9
0,365 Sek.