Werden Unternehmen wertvoll gerechnet? Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat in Bezug auf das Erbschaftssteuergesetz neue Berechnungen durchgeführt. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
13.05.2015 11:28 Uhr
UNTERNEHMEN UND ERBEN

Erbschaftssteuerrecht: Werden Unternehmen zu hoch bewertet?

Köln, 13.05.2015 11:28 Uhr (Finanzredaktion)

Das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt hat im Dezember 2014 für eine Nach­bes­se­rung zur Rege­lung der Erbschaft­steuer (Schen­kung­steuer) entschieden. Das hat auch Auswir­kungen auf die Bewer­tung von Unter­nehmen.

Der Gesetzgeber muss das Erbschaftssteuerrecht reformieren. Dabei rückt die finanzielle Bewertung von Unternehmen in den Fokus, die die Basis für die Besteuerung bildet. Das derzeitige Verfahren ist problematisch, weil es zu einer massiven Überbewertung führt, meint das Institut der deutschen Wirtchaft in Köln.

Um den Wert eines Unternehmens festzustellen, wird standardmäßig das vereinfachte Ertragswertverfahren angewendet. Die grundlegende Frage dahinter lautet: Wie viel Geld muss am Kapitalmarkt inves­tiert werden, damit die Erträge genauso hoch sind wie die des zu vererbenden Unternehmens? Dieser Betrag wird dann als Unternehmenswert definiert und muss grundsätzlich versteuert werden.

Diese Vorgehensweise ist zwar im Ansatz plausibel emint das iw Köln. Das Ergebnis hängt allerdings stark von den verwendeten Ausgangsdaten ab. Eine Kennziffer ist der vom Bundes­finanzministerium jährlich veröffentlichte Basiszins, der sich aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen ableitet. Diese ist zwischen 2008 und 2015 von 4,6 auf 1,0 Prozent gesunken. Allein dadurch erhöht sich der Wert eines Unternehmens, ohne dass sich die Gewinne ändern.

Hinzu kommt das höhere Risiko bei einer Investition in ein Familienunternehmen. Denn die Gewinne schwanken und es besteht die Gefahr einer Insolvenz. Wer in ein Familien­unternehmen investiert, kann das Risiko auch nicht streuen wie bei einem Aktienfonds. Es gibt zudem nur einen sehr kleinen Käuferkreis. Und schließlich verhindern Gesellschaftsverträge oftmals, dass ein beliebiger Käufer Anteile erwerben darf oder Gewinne ausgeschüttet werden dürfen.

All dies verringert aus Sicht eines Investors den Wert von Familienunternehmen. Das versucht der Gesetzgeber durch einen pauschalen Zuschlag von 4,5 Prozent zum Basiszins auch zu berücksichtigen. Dieser Zuschlag ist aber deutlich zu niedrig, um alle oben genannten Faktoren aufzufangen.

Unternehmensbewertung - Simulationsrechnung

IW Köln Unternehmen Erbschaftssteuer

Das IW Köln hat daher in vier Simulationsrechnungen mit realistischeren Basiszinssätzen und Risikozuschlägen ermittelt, wie sich der Unternehmenswert ändert, wenn an einem oder mehreren Parametern gedreht wird. Demnach sind die Betriebe nach der heutigen Ermittlungsmethode im Schnitt um 50 Pro­zent zu hoch bewertet (Grafik).

Es ist deshalb dringend erforderlich, die Reform des Erbschaftssteuer­gesetzes um eine Reform des Bewertungsrechts zu ergänzen. Das IW Köln empfiehlt:

  • Für den Basiszins sollte ein Durchschnittswert aus mindestens drei Jahren herangezogen werden, um Extremwerte zu vermeiden.
  • Sinnvoller wäre es, der Gesetzgeber würde sich an den tatsächlich üblichen Eigenkapitalrenditen für Unternehmensinvestitionen orientieren und eine Verzinsung von 8 bis 9 Prozent in die Berechnung des Unternehmenswerts einstellen.
  • Die Besonderheiten von Familien­unternehmen sollten durch einen weiteren Zuschlag von 3 bis 4 Prozentpunkten berücksichtigt werden.
(Quelle/Copyright: iw Köln)

 

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