Graccident oder Grexit: Vor dem Kassensturz in Griechenland
Frankfurt/Brüssel, 13.03.2015 18:31 Uhr (Klaus Stopp)
So, so eine Entspannung soll es geben. Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Kassenlage in Athen spitzt sich zu. Selbst nach dem Eingeständnis der Regierung befindet sich Griechenland in akuter Finanznot.

Doch den Geldgebern genügen die bisherigen Reformvorschläge noch lange nicht, um weitere Hilfsgelder fließen zu lassen. Nun also sollen die "Institutionen" Europäische Zentralbank (EZB), EU-Kommission und IWF, die man nicht mehr Troika nennen darf, zum ersten Mal seit dem Regierungswechsel im Januar wieder Einblick in die griechischen Finanzbücher erhalten.
Die zentralen Verhandlungen werden in Brüssel stattfinden. Sogenannte technische Teams werden gleichzeitig nach Athen entsandt. Am Ende wird ein Kassensturz stehen, dessen Ergebnis sich grausam lesen wird. Das dürfte den Europartnern bereits heute klar sein. Ohne weitere Milliarden des Geldgeber-Trios wird Griechenland pleitegehen. Ziel der neu aufgenommenen Gespräche ist der Abschluss des bis Juni verlängerten Rettungsprogramms. Ohne diesen Abschluss können noch bereitstehende Hilfsgelder von insgesamt 7,2 Mrd. Euro von Athen nicht abgerufen werden.
22 Mrd. Euro sollen die Griechen in den vergangenen drei Monaten von ihren Bankkonten abgehoben haben. Die Geldeinlagen sind auf rund 150 Mrd. Euro gefallen. Dies ist der niedrigste Stand seit 10 Jahren. Der griechische Staatsminister Alekos Flambouraris hatte einen dramatischen Appell an seine Landsleute gerichtet, ihr Geld aus dem Ausland zurückzubringen.
So ganz zum Thema Sparanstrengungen will dann auch eine andere Meldung nicht passen. So sind die Arbeitskosten in Griechenland zuletzt weit stärker gestiegen als im Rest der EU. Mit einem Zuwachs von 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal wiesen die Griechen für das 3. Quartal 2014 den höchsten Kostenanstieg aller EU-Länder auf, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zuvor waren deren Arbeitskosten allerdings rückläufig.
Aber vielleicht sind schon bald für Athen alle finanziellen Probleme gelöst. Denn mit der Erfüllung der Forderungen an Deutschland als Ausgleich für die Gräueltaten während des 1000-jährigen Reichs wären die Griechen auf einen Schlag alle ihre Sorgen los. Wenigstens träumen können sie, wenn es schon mit anderen Dingen nicht klappt!
Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.

Europa Finanzen
* Bitte halten Sie sich an die Netikette und vermeiden persönliche Anschuldigungen, Beleidigungen und Ähnliches. Verbreiten Sie außerdem keine Unwahrheiten, Vermutungen, Gerüchte sowie rufschädigende oder firmeninterne Informationen. Beachten Sie die Rechte Anderer und urheberrechlich geschützter Quellen. Bei rechtlichen Verstößen haften Sie in vollem Umfang. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, Ihre IP-Adresse und Ihren Provider zu speichern. Mit dem Speichern Ihres Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regelungen einverstanden.
- Immobilien | Laut Bundesregierung wird Wohnen weiterhin teurer
- Finanzen in 2018: Besteuerung von Investmentfonds | PSD II und die Rente
- The Economist Trends 2018: GAFA-Monopol und neue Spitzenländer im Aufwind
- SPD Rentenkonzept: Zweifel am Konzept gegen Armut auf Kosten der Jüngeren
- Faule Kredite: EZB erwägt riesige Bad Bank

Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.
Portalsystem 2025 © FSMedienberatung