Was wären die Folgen eines Verbots von Derivaten in der Asset-Management-Branche? Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
15.10.2013 18:27 Uhr
STUDIE ZUM VERBOT VON DERIVATEN

Finanzprofessor Beber: Warum Derivate in der Asset-Management Branche verbieten?

Paris/London, 15.10.2013 18:27 Uhr (Finanzredaktion)

In einer fiktiven Studie führen Ales­sandro Beber, Finanz­pro­fessor an der Cass Busi­ness School, und Chri­stophe Péri­gnon, Finanz­pro­fessor an der HEC Paris, eine Was-wäre-wenn-Analyse der mögli­chen Folgen eines Deri­vate-Verbots für Vermö­gens­ver­walter und deren Kunden durch.

Die Studie The Unintended Consequences of Banning Derivatives in Asset Management beschreibt, wie eine Wirtschaft ohne Derivate aussehen würde und richtet dabei ihren Schwerpunkt auf die Asset-Management-Branche, die Derivate zu Versicherungs- und Investitionszwecken einsetzt.

HEC Cass Cover

Warum Derivate verbieten?
Die Vorstellung, dass Derivate eine destabilisierende Wirkung auf das Finanzsystem haben, ist seit Jahren verbreitet. Die Argumente der Derivate-Gegner gründen auf dem Glauben, dass Derivate in höchstem Maße komplex, undurchsichtig und ungeregelt sind und von Investoren genutzt werden, denen es nur zu oft an Kompetenz mangelt. Zudem wird davon ausgegangen, dass Derivate zu übermäßiger Volatilität, Finanzblasen und extremen und gefährlichen Verlusten führen. Als Folge haben sich viele für ein Verbot von Derivaten in bestimmten Branchen ausgesprochen, einschließlich der Vermögensverwaltungsbranche. So schlägt beispielsweise das neueste UCITS VI Konsultationspapier der Europäischen Kommission eine Begrenzung des Einsatzes bestimmter derivativer Instrumente aufgrund ihrer Komplexität vor.

In der Asset-Management-Industrie ist der Einsatz von Derivaten weit verbreitet. Besonders europäische Investmentfonds setzen häufig Derivate ein. In ihrer großen Umfrage von französischen Vermögensverwaltern finden Beber und Pérignon heraus, dass 52 Prozent der befragten Fonds Derivate einsetzen und diese Mittel 65 Prozent des verwalteten Gesamtvermögens ausmacht. Derivate sind wichtige Werkzeuge für die Asset Management-Industrie. Derivative Instrumente ermöglichen es Investmentfonds, effiziente Risikomanagement-Aktivitäten mit relativ geringen Transaktionskosten zu implementieren.

Alessandro Beber ist Finanzprofessor an der Cass Business School, City University London und führt empirische und theoretische Forschung im Finanzbereich durch. Seine aktuelle Arbeit konzentriert sich auf Liquiditäts- und Asset-Pricing, Risikomanagement, Währungs- und Rentenmärkte sowie Finanzökonometrie.

Die Forscher stellen fest, dass, wenn die Nutzung von Derivaten nicht erlaubt wäre, Investmentfonds zwar generell weiterhin diese Aktivitäten durchführen könnten, aber dabei mit viel höheren Transaktions- und Betriebskosten zu rechnen hätten. Solche Kosten könnten Investmentfonds in vielen Fällen dazu verleiten, diese Risikomanagement-Aktivitäten nicht durchzuführen, was zu suboptimalen Risiko/Rendite-Profilen führen würde, die letztlich den Investor teuer zu stehen kommen würden. Darüber hinaus würde sich im Falle eines Verbots von Derivaten die Auswahl an Möglichkeiten für Investoren drastisch reduzieren. Besonders für kleinere Vermögensverwalter würde sich ein Verbot von Derivaten im Asset-Management äußerst nachteilig auswirken, da sie sich nicht auf große Skaleneffekte bei der Umsetzung von alternativen Risikomanagement-Strategien verlassen könnten.

Die Professoren kommen zu dem Schluss, dass ein Verbot von Derivaten im Asset-Management zu einer Erhöhung der Transaktionskosten und zu suboptimalen Risikomanagement-Strategien führen würde, die letztlich den Endinvestor strafen würde. Ein derartiges Verbot wäre nicht vereinbar mit den üblichen Argumenten gegen Derivate, da diese Argumente nicht im Asset-Management gültig zu sein scheinen.

Hintergrund
Die der City University London angeschlossene Cass Business School bietet innovative, relevante und zukunftsorientierte Ausbildungs-, Schulungs-, Beratungs- und Forschungsangebote. Im Herzen einer der weltweit führenden Finanzzentren angesiedelt, gilt Cass als maßgebliche Wirtschaftshochschule Londons.

(Quelle: Noir sur Blanc)

 

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