Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Prof. Dr. Mario Draghi, hat im Bundestag seine vor allem in Deutschland hart kritisierte Nullzinspolitik verteidigt. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
29.09.2016 13:35 Uhr
GELDPOLITIK DER NOTENBANKEN

Draghi nimmt Regierungen der Euro-Zone in die Pflicht

Berlin/Frankfurt am Main, 29.09.2016 13:35 Uhr (Gastautor)

Der Präsi­dent der Euro­päi­schen Zentral­bank (EZB) Mario Draghi versucht Druck gegen die Staaten der Euro­zone aufzu­bauen. Vor dem Deut­schen Bundestag ebenso wie am Montag vor dem Euro­päi­schen Parla­ment hat der EZB-Chef die Regie­rungen zum Handeln in Wirt­schafts­fragen aufge­for­dert.

Als Voraussetzung für einen Anstieg der langfristigen Zinsen nannte er mehr Investitionen und Strukturreformen seitens der Staaten - zur Steigerung von Wachstum und Produktivität. Zunächst müssten die Maßnahmen der EZB jedoch ihre volle Wirkung entfalten können. „Und dazu müssen andere Politikbereiche sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene wesentlich entschlossener beitragen“, forderte der EZB-Chef.

Nationale Regierungen müssten Maßnahmen ergreifen, um das Wachstum zu entfesseln, die Arbeitslosigkeit zu senken und die Schwächsten zu schützen, hatte er bereits vor dem Europaparlament betont. Nur auf diese Weise könne der öffentlichen Unzufriedenheit mit den europäischen Institutionen entgegengewirkt werden.

Dabei hatte er sein Credo wiederholt, dass die EZB die Probleme nicht alleine lösen könne. Damit hat Draghi seine Forderungen an die Politik weiter verschärft. Die EZB alleine kann’s tatsächlich nicht richten. Vielmehr sind es vielfach die Regierungen, die die Zeit verstreichen lassen, die ihnen die Notenbank durch ihre Nullzinspolitik erkauft hat. Seinen Kritikern im Deutschen Bundestag sagte Draghi, dass die Geldpolitik der EZB nicht der Hauptfaktor für die geringe Rentabilität der Banken sei.

Video-TIPP: Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Prof. Dr. Mario Draghi, hat im Bundestag seine vor allem in Deutschland hart kritisierte Nullzinspolitik verteidigt.

Es werde vergessen, dass zahlreiche Institute die sinkenden Zinserträge durch mehr Kredite, einen besseren Schuldendienst und einen geringeren Zinsaufwand mehr als ausgleichen könnten. Einige Banken müssten ihre Geschäftsmodelle möglicherweise an das derzeitige Niedrigzinsumfeld anpassen, aber auch ihre eigenen strukturellen Probleme angehen, so der EZB-Chef.

Die Staaten sollten ihre Ausgabenpolitik daher wachstumsfreundlicher gestalten und Wirtschaftsreformen durchführen, fordert Draghi. Auf diese Weise soll nach seiner Vorstellung die Politik der EZB im Kampf gegen die niedrige Inflation unterstützt werden. Dabei macht er klar: „Nur Strukturreformen können für nachhaltiges Wachstum sorgen.“

Darüber hinaus warnte Draghi in Brüssel vor einem langwierigen Brexit-Prozess. Für ihn ist es klar, dass die Konsequenzen umso bedeutsamer würden, je länger die Unsicherheit über das endgültige Ergebnis anhalte. Das Schicksal Großbritanniens hat nach seiner Überzeugung einen Einfluss auf die Euroraum-Wirtschaft. „Timing, Entwicklung und Endergebnis" der Austrittsverhandlungen würden letztlich darüber entscheiden, wie sehr die Entscheidung auf der Euroraum-Wirtschaft lasten werde, sagte er. Unabhängig von der Art der künftigen Beziehung zwischen Großbritannien und der EU sei es äußerst wichtig, dass die Integrität des Binnenmarkts respektiert werde.

(Quelle: Baader Bank AG / Klaus Stopp)

 

  • Geld
  • Politik
  • Wirtschaft
 
Artikel »   Drucken Versenden

 


Kommentar schreiben »



Kommentar:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an
      meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)

Bitte übertragen Sie die dargestellte Zeichenfolge in das rechte Feld:

* Bitte halten Sie sich an die Netikette und vermeiden persönliche Anschuldigungen, Beleidigungen und Ähnliches. Verbreiten Sie außerdem keine Unwahrheiten, Vermutungen, Gerüchte sowie rufschädigende oder firmeninterne Informationen. Beachten Sie die Rechte Anderer und urheberrechlich geschützter Quellen. Bei rechtlichen Verstößen haften Sie in vollem Umfang. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, Ihre IP-Adresse und Ihren Provider zu speichern. Mit dem Speichern Ihres Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regelungen einverstanden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

nach oben
Schnelleinstieg in die Kategorien ...
Mediastream Research

Konjunkturumfrageergebnisse Q1/2019 bei 27.000 Unternehmen.
Telekommunikation-News
Aktuelle Artikel aus der Rubrik Markt & Meinungen
Prognosen und Trends
Auswahl Branchen-Analysen
Europa News
Besondere Aufmerksamkeit aus unserem Leserkreis...
Redaktionelle Artikel, die Interessenten am meisten lesen...

Los geht´s...
Cookies Nutzungshinweis
Diese Seite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen ...
 
Finanzen Markt & Meinungen - Das Praxismagazin für Finanzthemen
Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

Portalsystem 2025 © FSMedienberatung
Contentservice: Javascript Newsticker für Ihre Internetseite RSS Feed XML 0.9
0,435 Sek.