EHEC Spezialisten wie Prof. Karch suchen nach dem Ausbruchsstamm
Münster, 12.06.2011 10:25 Uhr (redaktion)
Die Verteilung des EHEC Erregers wird nun auf Sojasprossen vermutet. Der sich jetzt ausbreitende Erreger ist bislang nur beim Menschen nachgewiesen worden. Wissenschaftler vermuten den Menschen als Reservoir.
Für Prof. Karch, an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, stellt sich die Frage nach dem natürlichen Reservoir des Darmbakteriums. „Zum jetzigen Zeitpunkt liegt mir und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kein Nachweis vor, dass zu HUSEC041 gehörende EHEC-Isolate des Menschen bei Tieren festgestellt wurden und diese dauerhaft kolonisieren können. Der sich jetzt ausbreitende Erreger ist bislang nur beim Menschen nachgewiesen worden. Dies gilt übrigens auch für eng mit ihm verwandte Stämme, die den enteroaggregativen Geno- und Phänotyp zeigen und Shiga Toxin produzieren. HUSEC041 ist nicht der einzige Stamm in der 42 Stämme umfassenden HUSEC-Referenzkollektion am Institut für Hygiene, der diese Eigenschaften aufweist. Darüber hinaus haben wir bereits 1998 zusammen mit Kollegen aus Frankreich und Italien Stämme eines HUS-Ausbruchs beschrieben, bei dem entereoaggregative E. coli (EAEC) Shiga Toxin 2 gebildet haben.“
Zum jetzigen Zeitpunkt müsse davon ausgegangen werden, dass der Ausbruchsstamm ein Reservoir im Menschen hat. „Innerhalb der Serogruppe O104 sind uns drei H-Antigentypen (H7, H12, H21) bekannt, die Shiga Toxine produzieren und bei Tieren (Schaf, Rind) vorkommen. Im Gegensatz dazu ist ein vierter Geißeltyp (H4) und der Sequenztyp 678 innerhalb der Serogruppe O104 , also der jetzige Ausbruchsstamm HUSEC041 jedoch bis heute noch nie bei Tieren gefunden worden. Oder er hat erst in jüngster Zeit die Speziesbarriere überschritten und ist auf Tiere übergegangen. Dies ist eher unwahrscheinlich, wird aber aktuell von meinem Kollegen Prof. Lothar Wieler in Berlin nochmals abgeklärt“, sagt Karch.
Angesichts des Ausbreitungsmusters der Erkrankungsfälle in Deutschland ist es jedoch nahezu auszuschließen, dass die Infektionen nur über Kontakt von Mensch zu Mensch über Schmierinfektionen erfolgen. Karch: „Es muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass auch andere Infektionsträger, die z.B. über menschliche Fäkalien kontaminiert wurden, eine Bedeutung haben. Diese möglichen Infektionsträger müssen natürlich gefunden werden. Das wäre nicht das erste Mal bei einem EHEC: Denn er kann, wie viele anderer enteritische Krankheitserreger, über menschliche Fäkalien in die Umwelt eingetragen werden.“
Hintergrund
Seit dem 23. Mai steht die Erforschung des EHEC-Erregers im Mittelpunkt der Arbeit im Hygieneinstitut: An diesem Tag ging vormittags die erste Stuhlprobe ein. Am 25. Mai konnten die Wissenschaftler aus Münster den bis dahin weltweit sehr seltenen Stamm HUSEC041 (O104:H4, ST 678) als aktuellen Ausbruchsstamm identifizieren.
In den darauf folgenden Tagen entwickelten die Forscher einen für diesen Stamm spezifischen Bestätigungstest, der innerhalb von vier Stunden eine Infektion mit dem Ausbruchsstamm nachweist oder ausschließt und ab dem 30. Mai eingesetzt werden konnte. Die hierzu nötigen Testprotokolle und Laborinformationen wurden unmittelbar auf www.ehec.org veröffentlicht. Der Test unterscheidet nicht nur den aktuellen Ausbruchsstamm von anderen nahe verwandten Shiga Toxin-produzierenden EHEC der Serogruppe O104 mit den H-Antigenen H2, H7,H12, H21, sondern auch von allen anderen Shiga Toxin-produzierenden E. coli, anderen Pathotypen darmpathogener E. coli und der E. coli Normalflora.
(Quelle: Universitätsklinikum Münster)

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