In einer neuen Studie, an der unter anderen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) beteiligt waren, wurden die Folgen fragilerer Erwerbsverläufe auf die Rentenerwartungen untersucht. Das Praxismagazin für Finanzthemen Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

 
 
06.06.2012 12:35 Uhr
STUDIE ZU RENTENANWARTSCHAFTEN

Rentensystem: Alterssicherung der Babyboomer mit hohem Risiko

Berlin/Düsseldorf, 06.06.2012 12:35 Uhr (Frank Schulz)

Lesen Sie inter­essante Ergeb­nisse einer aktu­ellen Studie, die sich auch mit den "Lebens­läu­fen“ der Baby­boo­mer-Gene­ra­tion (Zwi­schen 1956 und 1965 Gebo­re­nen) beschäf­tigt. Phasen der Arbeits­lo­sig­keit oder Teil­zeit­ar­beit wirken sich hier beson­ders auf die Rentenan­wart­schaft aus. Deut­liche Unter­schiede zwischen Ost und West.

Informationen zum Autor:
Herausgeber seit 2007 und Gründer von FMM-Magazin. Projekte in der Finanz-/Medienindustrie seit 2003 u.a. bei Gruner + Jahr (Financial Times Deutschland) und der OnVista Group. Editor von über 8.000 Fachartikeln zum Thema Finanzwissen, Nachhaltigkeit, Innovation und Wirtschaft.

In einer neuen Studie, an der unter anderen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) beteiligt waren, wurden die Folgen fragilerer Erwerbsverläufe auf die Rentenerwartungen untersucht.

Ergebnisse der Studie
Vor allem für ostdeutsche Männer der Babyboomer-Jahrgänge dürften die Rentenanwartschaften geringer ausfallen. Während bei älteren Jahrgänge jeder zweite noch fast 43 Entgeltpunkte erreichte, werden die ostdeutschen Männer der Babyboomer-Jahrgänge bei Rentenbeginn lediglich noch über knapp 33 Entgeltpunkte verfügen.

Für ostdeutsche Frauen und westdeutsche Männer sind hingegen nur geringe Abnahmen zu erwarten. Die erwarteten Rentenanwartschaften westdeutscher Frauen bleiben stabil, allerdings auf relativ niedrigem Niveau.

Die Babyboomer sind allerdings auch die erste Generation, die in nennenswertem Umfang Leistungen aus der geförderten Zusatzvorsorge (zum Beispiel „Riester-Renten“) erwarten kann. Die bestehende Datenlage lässt hierzu aber noch keine konkreten Abschätzungen zu.

Besonderheit der Babyboomer-Generation
Die zwischen 1956 und 1965 Geboren sind die ersten, die von der Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre und von dem sinkenden Rentenniveau betroffen sein werden; sie sind aber auf der anderen Seite auch die erste Generation, die in nennenswertem Umfang von der staatlichen Förderung der Zusatzvorsorge ("Riester-Rente") profitieren wird.

Gleichzeitig zeichnen sich die Babyboomer durch vielfältigere und oft fragilere Lebensläufe aus als die vorangehenden Jahrgänge. Während zumindest die Männer der Kriegs- und Nachkriegsjahrgänge von der Möglichkeit profitierten, einen Großteil des Arbeitslebens ununterbrochen Vollzeit arbeiten zu können, weisen die Erwerbsverläufe der nachfolgenden Babyboomer häufig mehr Phasen der Arbeitslosigkeit, Teilzeitarbeit oder Zeiten einer selbständigen Tätigkeit auf.

Bei den westdeutschen Frauen ist zudem ein Rückgang von Zeiten ausschließlicher Haushaltstätigkeit zu verzeichnen. Alles das hat Auswirkungen auf die Alterssicherung der Babyboomer, insbesondere auf die Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Neueste Zahlen zur Rentenanwartschaft
Im Forschungsprojekt „Lebensläufe und Alterssicherung im Wandel“ (LAW), an dem unter anderen das DIW Berlin und das Deutsche Zentrum für Altersfragen beteiligt waren, wurde untersucht, welche Rentenanwartschaften die Babyboomer erwarten können.

Osten: „Vor allem ostdeutsche Männer werden im Schnitt über weniger Anwartschaften in der Gesetzlichen Rentenversicherung verfügen als die vorangegangenen Jahrgänge“, sagt DIW-Wissenschaftlerin Anika Rasner. „Sie sind stärker von Arbeitslosigkeit betroffen und haben mehr Brüche in ihren Erwerbsverläufen. “Ostdeutsche Frauen haben hingegen im Mittel nur geringfügig niedrigere Rentenanwartschaften zu erwarten als die Frauen vorheriger Jahrgänge (zwischen 1936 und 1955 geboren).

Westen: Westdeutsche Männer der Babyboomer-Jahrgänge können dank der hier weiterhin häufigen Vollzeiterwerbstätigkeit und relativ wenigen Brüchen im Erwerbsleben im Mittel mit rund 48 Entgeltpunkten mit ähnlich hohen Rentenanwartschaften rechnen wie zuvor Geborene. Westdeutsche Frauen verbringen zunehmend weniger Zeit außerhalb des Arbeitsmarktes, beispielsweise als Hausfrauen.

Selbstständige und Neue Förderungen
Die Babyboomer sind die erste Generation, die in nennenswertem Umfang von der staatlich geförderten Zusatzvorsorge (zum Beispiel der Riester-Rente“) profitieren kann. Allerdings liegen bislang keine verlässlichen Daten für den Beitrag von betrieblicher und privater Altersvorsorge zum Alterseinkommen vor. Ein Anhaltspunkt können die Nettovermögen der Babyboomer sein: Diese schwanken sehr stark in Abhängigkeit von den Erwerbsverläufen. Babyboomer mit vielen Brüchen in ihrem Erwerbsleben konnten bislang nur sehr geringe Nettovermögen aufbauen: Jeder zweite Mann dieser fragilen Gruppe hat kaum nennenswertes Nettovermögen.

Auch aktuell diskutierte Vorschläge treffen die Babyboomer besonders. Von der Zuschussrente würden vermutlich insbesondere die männlichen ostdeutschen Babyboomer vergleichsweise wenig profitieren, da sie aufgrund vieler Brüche in den Erwerbsverläufen häufig nicht die erforderlichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten vorweisen könnten.

Der Vorschlag, auch die Selbständigen - unter für sie tragfähigen Bedingungen - in die Gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen, könnte helfen, die Alterssicherung vieler stabiler zu machen. Denn unter den Babyboomern sind viele, die häufig zwischen Selbständigkeit und abhängiger Beschäftigung wechseln und hinsichtlich ihrer Alterssicherung Risiken tragen.

Ausführliche Informationen und Prognosen bietet ein pdf-Dokument des DIW. Es kann hier geladen werden.

(Quelle: DIW Berlin)
(Foto: geralt;pixelio.de)

 

  • Rente
  • Vorsorge
 
Artikel »   Drucken Versenden

 


Kommentar schreiben »



Kommentar:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an
      meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)

Bitte übertragen Sie die dargestellte Zeichenfolge in das rechte Feld:

* Bitte halten Sie sich an die Netikette und vermeiden persönliche Anschuldigungen, Beleidigungen und Ähnliches. Verbreiten Sie außerdem keine Unwahrheiten, Vermutungen, Gerüchte sowie rufschädigende oder firmeninterne Informationen. Beachten Sie die Rechte Anderer und urheberrechlich geschützter Quellen. Bei rechtlichen Verstößen haften Sie in vollem Umfang. Aus diesem Grund sind wir gezwungen, Ihre IP-Adresse und Ihren Provider zu speichern. Mit dem Speichern Ihres Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regelungen einverstanden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

nach oben
Schnelleinstieg in die Kategorien ...
Mediastream Research

Konjunkturumfrageergebnisse Q1/2019 bei 27.000 Unternehmen.
Telekommunikation-News
Aktuelle Artikel aus der Rubrik Markt & Meinungen
Prognosen und Trends
Auswahl Branchen-Analysen
Europa News
Besondere Aufmerksamkeit aus unserem Leserkreis...
Redaktionelle Artikel, die Interessenten am meisten lesen...

Los geht´s...
Cookies Nutzungshinweis
Diese Seite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen ...
 
Finanzen Markt & Meinungen - Das Praxismagazin für Finanzthemen
Onlineausgabe des Printmagazins Finanzen Markt & Meinungen.

Portalsystem 2025 © FSMedienberatung
Contentservice: Javascript Newsticker für Ihre Internetseite RSS Feed XML 0.9
0,362 Sek.